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Kisaragi Chiyo: Japanische Kalligraphie im Internet

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Artikelbild - Shodo: Japanische Kalligraphie (Copyright: Kisaragi Chiyo)
Shodo: Kalligraphie eines Waka-Gedichts (Copyright: Kisaragi Chiyo)

Ein nahender Sommer ist auch immer eine Gelegenheit, sich mit jenen schönen Dingen zu beschäftigen, die in der kalten Jahreszeit fehlten, oder vergessen wurden. Deshalb möchten wir an dieser Stelle einen Artikel aus dem Jahr 2012 erneut vorstellen, der Schönheit und Kunst zum Thema hat (Erstmals veröffentlicht im Juli 2012 im Rahmen der Reihe „Japanische Kunst im Internet“). 

Bei dem Begriff Kalligraphie mögen besonders ältere Leser noch an das mühevolle Lernen der alten Sütterlin-Schrift als „Schönschrift“ denken, mit dem es die Noten aufzuwerten galt.

Einen gänzlich anderen Stellenwert hat die Kalligraphie dagegen in China und Japan.

Während in China der Kalligraphie teils magische Attribute zugesprochen wurden („Fu“ – Amulette aus beschrifteten Papierstreifen sind ein Beispiel hierfür), blieb in Japan die Kalligraphie eine Kunstform ohne derartig überhöhte Aspekte.

Kunstwerke können dagegen bereits die Arbeitsmaterialien eines Schriftkünstlers sein, der sich dem Shodo – dem Weg des Schreibens – zugewandt hat.

Zwar sind Qualität von Pinsel, Tusche und Papier entscheidend, doch können etwa bereits der Reibstein auf dem die stangenförmige gepresste Tinte mit etwas Wasser verflüssigt wird und die Papierbeschwerer, der während des Schreibens das Papier auf der saugfähigen Unterlage am verrutschen hindert, sowohl urtümlich unbearbeitet, als auch mit Steinschneidekunst verzierte Objekte sein.

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KisaragiChiyo und der Shodo

Diesen komplexen Vorbereitungen merkt man den Arbeiten der Künstlerin Kisaragi Chiyo nicht an. Beim Anblick ihrer Werke scheint es, als wäre der Pinsel geradezu mühelos über das Papier geglitten, um in flüssigen Bewegungen und klarer Linie die Zeichen auf das Papier zu schreiben. Dabei zeigt die Künstlerin eine erstaunliche Breite an unterschiedlichen Stilen.

So finden sich in ihren Arbeiten zum einen, die mit breiter Pinselhaltung und kühnen Schwung geformte Schriftzeichen, wie sie etwa für die Bezeichnung von Kampfkünsten üblich und dem westlichen Betrachter daher vertraut sind. Zum anderen finden sich auch der Allgemeinheit eher unbekannten und mit zarter Hand geschriebenen Gedichte, deren Silben teils spinnenwebartig aufeinanderfolgen.

Dabei greift die Kalligraphin sowohl auf klassische Gedichte aus antiken Werken, wie dem „Hyakunin Isshu„, als auch auf die Todesgedichte (jisei no ku), die von Poeten, Mönchen und Adeligen vor ihrem Dahinscheiden, als auch von Samurai angesichts des rituellen Selbstmordes verfasst worden waren.

Auch aktuelle Ereignisse finden Eingang in ihre Werke. Beispielsweise in ihrer Wiedergabe des vom Tempels Kyomizudera vorgestellten Schriftzeichen des Jahres (Kotoshi no Kanj), oder das in Andenken an die Opfer der Tohoku-Katastrophe 2011 gefertigte Schriftkunstwerk des Wortes „Requiem“ (Chinkon).

In einigen Fällen akzentuiert sie ihre eigenen Arbeiten, die sie auf dem Internet-Kunstportal deviantART präsentiert, auch mit Motivrahmen, die entweder aus Mustern, oder aber, der Bedeutung der Kalligraphie entsprechende Fotomotiven bestehen.

Ein Beispiel für alle genannten Punkte ist ihre Kalligraphie eines Gedichtes vom Waka-Typ, das von Minamoto no Sanetomo (1192 – 1219) stammt und in diesem Beitrag als Artikelbild dient. Das Werk hat eine gewisse Popularität in Japan erfahren, da es auch als Motivation für den Wiederaufbau nach dem Tohoku-Erdbeben 2011 und seinen Folgen verstanden wird.

Yama wa sake /Umi wa asenamu Yo naritomo/Kimi ni Futagokoro/Waga arameyamo

Die Berge mögen brechen/ und die Meere austrocknen/ aber dir werde ich nie den Rücken zukehren/ mein geliebtes Heimatland

Japanische Gedichte können auf mehrere Arten gelesen werden und dabei sogar einen gänzlichen Bedeutungswandel erfahren. Die obige Version wird von der Künstlerin selbst als grobe Übersetzung bezeichnet.

Die in Italien lebende Künstlerin bietet nicht nur die Möglichkeit von kalligraphischen Auftragsarbeiten in hoher Auflösung, sondern auch die Option, Werke im Stil der Tensho-Schreibweise, wie sie etwa zur Signatur von Kunstwerken oder Urkunden genutzt wird, anfertigen zu lassen.

Ihre Arbeiten finden sich in den Galerien auf deviantArt:
http://kisaragichiyo.deviantart.com/

Seit November 2013 besteht zudem eine Kooperation mit einem englischen Silberschmied, der aus japanischer Tuschekunst silberne Schmuckstücke entstehen lässt. Auch dort sind Sonderanfertigungen nach Wunsch des Kunden möglich.

Das Angebot an Kaligraphie-Silberschmuck findet sich auf
http://shop.mikadzuki.com/

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