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Kleines Berlin: Die ManuTeeFaktur

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Die Tees der ManuTeeFaktur aus Berlin
Die Tees der ManuTeeFaktur aus Berlin
Die Tees der ManuTeeFaktur aus Berlin (Foto: ManuTeeFaktur)
Die Tees der ManuTeeFaktur aus Berlin (Foto: ManuTeeFaktur)

Gerade in Großstädten wie der Bundeshauptstadt Berlin, dominieren auch die großen Angebote. Innovative Ideen von Privatpersonen, oder kleinen Unternehmen gehen in dieser Vielfalt oft unter. Wir haben uns für unsere Leser auf die Suche nach dem „kleinen Berlin“ gemacht.

Da wäre etwa die ManuTeeFaktur in Berlin-Kreuzberg von Manu Kumar.

Hinter dem kreativen Namen verbirgt sich eine nicht weniger kreative Geschäftsidee: Weg von der Limonade – und hin zum Tee. Mit Angeboten wie „Lemon Grass Tea“ und „Tuareg Mint Tea“ spricht das Angebot Menschen aller Gesellschaftsschichten an.

Spreadnews.de führte ein Interview, um mehr über die Hintergründe des Tees der etwas anderen Art zu erfahren.

Spreadnews: Wie kam es zur allerersten Idee der ManuTeeFaktur?

Aufgrund meiner indischen Herkunft liegt es natürlich sehr nahe, dass ich eine besondere Vorliebe für Tee habe. Ich würde sagen dass ich seit dem Tag an dem ich abgestillt wurde Tee trinke 🙂

Der wirklich erste ernsthafte Auslöser einen Manufaktur für Tee aufzubauen kam so um die Weihnachtszeit. Ich war einige Tage unterwegs gewesen und kam an einem richtig düsteren und unangenehmen Wintertag zurück ins Studio.

Dort erwarteten mich alle empört, wo ich denn gewesen sei und dass ich schleunigst meinen Masala Chai (Indischer Gewürztee) machen sollte – üblicherweise mache ich jeden morgen einen großen Topf, von dem sich jeder über den Tag hinweg bedienen kann.

In diesem Moment wurde mir klar, dass nicht nur ich einen richtig zubereiteten Tee zu schätzen weiss.

Spreadnews: Wie viele Personen sind an dem Projekt beteiligt?

Mein Name – Manu – ist wirklich Programm: Manu = ManuTeeFaktur oder eher andersherum? Bislang mache ich alles alleine: Tees & Gewürze aussuchen, schneiden, brühen, abfüllen, etikettieren, ausliefern…aber langsam komme ich mit einer Tagesproduktion von 150 Flaschen an meine Grenzen.

Spreadnews: Wann begann die Umsetzung der Idee und wie lief sie ab?

Neues Jahr – Neues Glück! Beginn 2012 fing ich mit ersten Brüh-Experimenten an und dann ging es Schlag auf Schlag.

Test, biologische Untersuchungen, Behörden, Umbauten, Zulassungen, Etikette designen, Flaschengestellen, viele viele Freunde testen lassen, erste Abnehmer finden, wieder Umbau …

Spreadnews: Wenn man die Angaben bei Facebook betrachtet fällt auf, dass vor allem die Süßung ohne Industriezucker und der Verzicht auf künstliche Zusatzstoffe betont wird. Auch wenn (noch) keine Zertifizierung als Bio-Produkt vorliegt – könnte man sagen, dass es zumindest um ein ökologisch orientiertes Unternehmen handelt?

Auf jeden Fall! Alle Zutaten – soweit frisch vorhanden – sind Bioprodukte.

Die gute alte Milchflasche sind Pfandflaschen aus Glas.

Spreadnews: Steht die Herstellung eines Erfrischungsgetränks wie einer Limonade, trotz des Verzichts auf Zusatzstoffe nicht im Widerspruch zur allgemeinen Auffassung von gesunden Getränken?

Meine Produkte sind KEINE LIMONADEN – es sind ganz traditionelle TEES

Klar, am besten ist es immer wenn man sich selbst einen Chai, Zitronengrastee etc. frisch zubereitet. Aber das dauert seine Zeit und normalerweise hat man auch nicht alle Zutaten parat.

Diese doch recht aufwendigen Rezepte mit zahlreichen Gewürzen müssen gut einen Stunde köcheln, damit alle Wirkstoffe und Essenzen in den Tee gelangen – und dann kommt sowohl die Vorbereitung sowie auch Sauber machen danach hinzu. Aber diese Zeit haben die meisten nicht – ich selbst mache mir am Morgen einer meinen Flaschen heiß.

Mein Tee ist sozusagen die zweitbeste Variante nach absolut frisch selber brühen. Schließlich mache ich ja nichts anderes: ich verwende ausschließlich ‚echte & frische‘ Zutaten und keine Extrakte und der Gleichen: also so wie zu Hause selbst gemacht, nur eben von mir in meiner kleinen Manufaktur.

Und weil wir gerade bei den Zutaten sind, noch einmal zurück zur oben gestellten Frage nach der Süße: Natürlich können mir Industriezucker, künstliche Süßstoffe etc. gestohlen bleiben! Ich verwende AUSSCHLIEßLICH Agavendicksaft. Honig lasse ich seit neuestem auch weg. Wegen der bei hoher Hitze zerfallenden Enzyme und der Anfrage von Veganern.

Das besondere jedoch an der Süße bei meinen Tees ist, dass ich fast gar nicht süße. Ich würde mal schätzen dass meine Tees gerade mal 30-40% der üblichen Süße von normalen Getränken haben.

Das wissen alle meine Kunden sehr zu schätzen! und zwar nicht nur der wenigen Kalorien sondern des Geschmacks wegen.

Spreadnews: Welche Punkte sind neben dem Umweltgedanken noch wichtig für das Projekt? Manche Händler setzen etwa ausschließlich auf Fair Trade oder heimische Zutaten. Gibt es bei der  ManuTeeFaktur eine ähnliche Philosophie? Wie sieht diese aus?

Ich würde sagen, der Aspekt der Gesundheit für den Menschen ist der wichtigsten bei mir. Schließlich esse ich selbst nur Bioprodukte, verzichte vollständig auf Fleisch, mache Yoga, bin viel in der Natur … und trinke natürlich sehr viel frischen Tee 😉

Aber gesund für einen selbst geht einher mit Bio, Fairness,  Umweltbewusstsein …  NUR was für alle gut ist kann auch für einen selbst gut sein.

Ebenso fällt der Gedanke des Handgemachten darunter. Ich glaube ganz fest dass Produkte die von Hand gemacht sind, sorgfältig ausgesucht und verarbeitet werden auch ‚Werte‘ wie Passion, Leidenschaft, Zuneigung und dergleichen. in sich tragen. „Handmade with love“ ist zwar ein altbekannter Werbespruch, aber ich glaube zu 100 Prozent daran!

Heimische Zutaten sind bei solch ‚exotischen‘ Produkten wie meinen Tees leider nicht möglich – oder eben sieht die Antwort nach heimisch bzw. fremd, ähnlich vielschichtig aus wie zu meiner eigenen Person deutsch-indischer Herkunft. Meine Antwort darauf sind ausgewählte Zutaten aus aller Welt die lokal verarbeitet werden.

Kurze Wege - Langer Genuss (Foto: ManuTeeFaktur)
Kurze Wege und langer Genuss - auch für Selbstabholer (Foto: ManuTeeFaktur)

Meine Philosophie ‚DRINK GLOBAL – BREW LOCAL‘ ist auf all meinen Etiketten zu lesen und das meine ich sehr ernst: immer frisch vor Ort beste Qualität in kleinen Manufakturen herstellen und direkt im Umfeld ausliefern.

Somit hat man kurze und schnelle Wege und man kann sich voll auf die Qualität des Produkts konzentrieren: handgemacht, ganz frisch, beste Zutaten, ohne Zusätze etc. und kann eben auch relativ kurze Haltbarkeit in Kauf nehmen, da die Flaschen ja nicht lange in irgendwelchen Lagern zwischen- bzw. umgelagert werden müssen.

Abgesehen davon macht es rein mit Blick auf die Umwelt wirklich keinen Sinn Flaschen und Flüssigkeiten quer durch Deutschland zu schippern. Dann lieber eine kleine Manufaktur in einer anderen Stadt mit Leuten von dort eröffnen und lokal Tees brühen und verkaufen.

Spreadnews: Hat das Projekt auch ein gesellschaftliches Statement?

KLAR – ALLES IST GESELLSCHAFTLICHES STATEMENT ManuTeeFaktur steht für selber machen. Nicht jammern wie schlecht ‚die Industrie‘, ‚die Welt‘, ‚die Anderen‘ usw. sind, sondern einfach selber machen, und zwar besser!…und für viele andere Werte die man zwischen den Zeilen meiner Worte rauslesen kann.

Spreadnews: Woher stammen die Anregungen zu den Rezepturen?

Ich verwende traditionelle Rezepte. Rezepte die sich über lange Zeit bewährt haben, nun aber von Colas, Energydrinks, Limonaden und dergleichen überschwemmt werden und in Vergessenheit geraten – sogar in Ihren Heimatländern.

Die Rezepte stehen für ein fast schon vergessene Zeit und Welt. Am Besten zitier ich an dieser Stelle den Text den ich auf meinen Etiketten habe. Hört sich vielleicht ein bisschen werbisch an, beschreibt es jedoch am treffendsten:

„Auf Reisen entdeckte ich abseits der ausgetretenen Wege den ,eigentlichen‘ Tee: auf Märkten und in versteckten Teestuben, auf Hochlandplantagen, im einsamen Nomadenzelt oder in den herrschaftlichen Teehäusern der alten Handelskarawanen. In fernen Ländern, wo es Jahrhunderte altes Wissen um Gewürze und Zubereitung gibt und Rezepte traditionell von Alt an Jung weiter gegeben werden…“

 Spreadnews: Wenn Leser nun neugierig geworden sind auf das Angebot der ManuTeeFaktur – wo können sie in den Genuss der Getränke kommen?

Ich beliefere in Berlin bereits einige, sehr exquisite Cafés, Restaurants und kleinen Feinkostläden in Kreuzberg, Berlin- Mitte und Prenzlauer Berg – alles Läden mit Herz.

In den kommenden Tagen werde ich einen Liste auf meiner Webseite mit diesen Orten zeigen: www.ManuTeeFaktur.com

Ab der kommenden Woche kann jeder meinen Tee auch direkt selbst, sozusagen ‚frisch vom Topf‘, in der ManuTeeFaktur abholen. Auch hierzu gibt es dann eine Beschreibung auf der Webseite.

Spreadnews: Noch einige Fragen zur Zukunft.

Spreadnews: Wie sehen die Pläne für die jüngere Zukunft aus?

Nun, nach einigen Monaten Testmarkt mit super Feedback, bin ich auf der Suche nach weiteren Läden die meine Tees abnehmen.

Mein wirklich nächster großer Milestone ist es Tee direkt auch an Büros, Agenturen, Verlage, Yogastudios … und natürlich auch an Haushalte zu liefern … also, wer Interesse hat kann sich jeder Zeit bei mir melden.

Spreadnews: Ist abzusehen, wie weit die Produktpalette künftig erweitert wird?

Derzeit bin ich dran ein neues/altes Rezept auszutesten. Diesmal mit Mate – und zwar direkt zusammen mit den Produzenten des Mates. Das ganz besondere daran: der Mate stammt von hundertjährigen Bäumen, die wild im Dschungel wachsen und von Hand geerntet werden.

Ebenso wird auch der Mate-Tee selbst wie eh und je verarbeitet – nicht gespritzt, keine Zusätze, keine künstliche Anreicherung des Koffeingehalts und dergleichen. Darauf freu‘ ich mich schon sehr – aber ich muss noch ein bisschen an dem Rezept feilen.

Das schöne an Tee ist ja, dass es überall auf der Welt schon geniale Rezepte gibt. An neuen/alten Teerezepten mangelt es zum Glück nicht im Geringsten.

Spreadnews: Wird man sich auf Kernkompetenzen wie erfolgreiche Standardprodukte besinnen, oder ist eines Tages mit etwas völlig neuem (etwa Produkte im Backwarenbereich) zu rechnen?

Nein, auf keinen Fall!  Die Zubereitung von Tee ist etwas ganz spezielles – fast schon ein Ritual! Etwas, mit dem ich aufgewachsen bin und was mich nach wie vor sehr fasziniert.

Klar, Brot hat auch eine tolle Geschichte – in fast allen Kulturen. Unterschiedlichste Zutaten und Herstellungsverfahren, aber ich komme nun mal nicht aus einer Bäckerfamilie 😉

Spreadnews: Dann wünschen wir an dieser Stelle noch viel Erfolg mit dem Geschäft und bedanken uns für das Interview.

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