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London 2012: Abschlussfeier der XXX. Olympische Sommerspiele

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London 2012: Olympische Ringe an der Tower Bridge (Foto: dp)
London 2012: Olympische Ringe an der Tower Bridge (Foto: dp)
London 2012: Olympische Ringe an der Tower Bridge (Foto: dp)
London 2012: Olympische Ringe an der Tower Bridge (Foto: dp)

In wenigen Stunden sind die XXX. Olympischen Sommerspiele in London Geschichte. An dieser Stelle berichten wir live von der beeindruckenden Abschlussfeier.

Was waren das für Spiele! Ganz sicher die One-Man-Shows des jamaikanischen Sprinters Usain Bolt, des US-amerikanischen Schwimmstars Michael Phelps und des deutschen Diskuswerfers Robert Harting – und die sensationell von Jonas Reckermann und Julius Brink gewonnene Goldmedaille im Beach-Volleyball.

Doch es waren auch die Spiele der verpassten Medaillenziele und des drohenden braunen Schattens der Ruderin Nadja Drygalla, den es für Deutschland abzuwenden galt.

Während es Deutschland gelang, dieses Politikum von den Spielen fern zu halten, hatte eine politische Aktion des südkoreanischen Fußballers Park Jong-Woo nach dem 2:0 Sieg gegen Japan Konsequenzen. Der Sportler hatte ein Schild emporgehalten auf dem die Worte „Dokdo ist unser Territorium“ standen.

Dabei handelt es sich um eine kleine  Inselkette die sowohl von Japan (unter dem Namen Takeshima) als auch Südkorea für sich beansprucht wird. Auf Druck des Internationalen Olympischen Komitees wurde der Fußballer von der anschließenden Medaillenzeremonie ausgeschlossen.

Auch Kurioses fand sich in den olympischen Veranstaltungen – bereits bei der Eröffnungsfeier gelangte etwa eine indische Studentin neben den Fahnenträger ihrer Nation, was zu Irritationen führte. Auch die japanischen Athleten werden den Stadioneinmarsch nicht so schnell vergessen, wurden sie doch bereits  nach wenigen Minuten irrtümlich wieder hinausgewunken.

Was abseits der Wettkampfstätten im und um das olympische Dorf geschah, blieb bei der Sportberichterstattung meist eher ein Randthema. Das ist Grund genug für uns, den Lesern zum Abschluss noch einige Aufnahmen zu zeigen. Wie London farbenfroh die Athleten der Welt verabschiedet – jetzt live bei Spreadnews.de:

Der Beginn: Natürlich ist das Olympiastadion mit 80.000 Zuschauern ausverkauft. Bombastische Stimmung mit Laola-Wellen auf den Rängen. Helikopter kreisen über dem Stadion. Tausende LED-Lichter erhellen das Innere des Stadions. Wunderbarer Sommerabend in London.

London 2012: Blick auf Olympiastadion und ArcelorMittal-Orbit (Copyright: Ian C.)
London 2012: Blick auf Olympiastadion und ArcelorMittal-Orbit (Copyright: Ian C.)

Pünktlich um 21:00 Uhr Ortszeit beginnt das Spektakel. Der Big Ben läutet  – die Zuschauer zählen mit.

Die britische Soulsängerin Emeli Sande beginnt mit „Read all about it“ – danach singt ein Gospel- Chor— Ein Schauspieler trägt die Passagen von Shakespeares „Der Sturm“ vor . Prinz Harry und Kate sind im Stadion. Es erklingt die britische Nationalhymne „God save the Queen„.

Danach singen die MadnessOur house„. Im Innenraum des Stadions ist ein Gemisch aus Jahrmarkt, Verkehrschaos und Kirmes zu sehen. One Direction, eine britische Casting-Boyband singt.

Die bekannte Trommlergruppe Stomp mit mehr als 40 Mitwirkenden heizte den Zuschauern in bewährter Weise ein. Die Folgegruppe Spelbound bietet sowohl artistisches, als auch mit ihren sanfteren Klängen einen interessanten Kontrapunkt. dabei spielen sie den Beatles-Hit „A day in a life„.

Ray Davis entseigt aus einem typischen Londoner Taxi und gab den Hit „Waterloo Sunset“ zum Besten. So ganz sauber intoniert er jedoch diesen Hit nicht.

21:25 Uhr Erneut tritt Emile Sandé auf. Diesesmal wird die Sängerin von einem Pianisten begleitet. Ein Film zeigt dramatische Momente der Olympiagewinner und Verlierer. Es ist ein sehr emotionaler Moment.

21:30 Uhr Die Fahnen der einzelnen Länder werden hereingetragen. Es wird etwas ruhiger unter den Zuschauern. Wir erfahren, dass der „Schlagmann“ des Deutschland-Achters Kristof Winkel die Fahne tragen wird.

Das britische Publikum klatsche jeden Athleten ins Ziel. Sie waren bis zum Schluß sehr faire Zuschauer. Ihnen Allen gebührt eine Goldmedaille. Eine britische Zeitung zitierte: „Wir klatschen auch für Deutsche“ – ja, dem war auch so.

Ein Novum während eines Olympischen Abschlussfestes: Der Einmarsch aller Olympioniken erfolgt nicht in Paraden – vielmehr steigen sie in Gängen mitten aus der Zuschauermenge in das Zentrum des Stadions. Die Athleten sind aufgekratzt. Sie winken in die Zuschauermenge. Sie alle tragen ihre errungenen Medaillen um den Hals. Regeln scheint es nicht mehr zu geben. Scheinbar sind alle Nationen durcheinander gemischt.

Unter dem Gesang eines Chors ist ein buntgemischtes Völkchen zu sehen. Absolute Partystimmung! Die Athleten swingen und singen mit. Auch der Gewichtheben Matthias Steiner ist mit dabei – bis auf einen Schal um den Hals deutet nichts darauf hin, dass ihm eine 196-Kilo-Hantel beim Reißen ins Genick und auf den rechten Oberschenkel gefallen war.

London 2012: Berittene Polizei (Copyright: Ian C.)
London 2012: Berittene Polizei (Copyright: Ian C.)

An dieser Stelle einige persönliche Anmerkungen: Entgegen jeglicher Unkenrufe blieb das erwartete Verkehrschaos aus. Die Londoner U-Bahn funktionierte einwandfrei – ebenso tat sich im Straßenverkehr auch nichts außergewöhnliches.

Ein Lob für die Organisatoren. Auch die Ordnungskräfte und das  britische Militär, die für die Sicherheit in London zuständig waren, gebührt ein riesiges Dankeschön. Immer waren sie freundlich und hilfsbereit.

21:44 Uhr Immer mehr Athleten kommen ins Stadion. Wieder wird „Our house“ gesungen.

21.51 Uhr Noch immer sind nicht alle Teilnehmer im Innenraum des Stadions – die Athleten strömen weiterhin swingend hinein. Die Zuschauer applaudieren. Hostessen und Ordner in blauen Kostümen und Glühbirne auf dem Kopf drängen die Sportler in die Mitte.

Akteure, ganz in weiß gekleidet, tragen 303 Kartons in den Innenraum. Symbolisch für jede der einzelnen Sportarten – die Kartons werden zu einer Pyramide aufgetürmt.

Woran vermutlich kaum jemand gedacht hatte: Eine Siegerehrung steht noch aus. Die Medaillen für die vermutlich olympischste aller Disziplinen wird vergeben: Der Marathon. Mit der Bronzemedaille wird Wilson Kipsang Kiprotich – mit einer Silbernen der Kenianer Abel Kirui und mit der Goldmedaille Stephen Kiprotich aus Uganda geehrt.

22:04 Uhr Es beginnt die „Symphony of British Music„. Auf ganz besondere Art und Weise will man die tausenden freiwilligen Helfer ehren. Es werden Blumensträuße verteilt. Die Freiwilligen haben exzellente Arbeit geleistet. Sie waren ausgesprochen freundlich und absolut hilfsbereit. Allein bei der Abschlussfeier sind wieder 3800 im Einsatz.

Es wird ein Song von Freddie Mercury – „Bohemian Rhapsody“ eingespielt. Es folgt ein Chor, der „Imagine“ von John Lennon anstimmt. Nicht allein dass ein Video des Künstlers eingeblendet wird – die ganz in weiß gekleideten Chormitglieder tragen den charakteristischen Imagine-Schriftzug.

Olympische Spiele in London 2012: Stratford Gate (Foto: Copyright by Ian C.)
Olympische Spiele in London 2012: Stratford Gate (Foto: Copyright by Ian C.)

22:13 Uhr George Michael mit einer riesengroßen Sonnenbrille, Totenkopfgürtel und Lederjacke tritt mit dem Song „Freedom“ auf. Es folgt der nächste Song von ihm – etwas flachbrüstiger vorgetragen, als der Vorangegangene.

22:22 Uhr Die „Kaiser Chiefs“ singen auf der Bühne. Eine Motorradgruppe fährt auf Mods ins Innere. Auf den Maschinen werden acht der bekanntesten britischen Models hereingefahren. Die Bühne wird zum Catwalk – Models wie Naomie Campell und Kate Moss in Action. Der Song „Passion“ von David Bowie bietet hierzu den musikalischen Rahmen.

22:29 Uhr Spannung wird aufgebaut. Ein riesiges Geisterschiffsmodell wird hineingefahren. Am Bug des Schiffs singt die Schottin Annie Lennox den Song „Little Bird“ Schließlich geht sie von Bord und schließt sich der Bühneshow an.

22:34 Uhr Mehrere Musiker, unter ihnen der Drummer von Pink Floyd stimmen „Wish you were here“ an. Zu den Klängen von Pink Floyd balanciert ein Artist unter dem Hallendach und entzündet einen anderen vor ihn stehenden Artisten. Dies ist eine Remineszenz an das Plattencover des Songs.

Russell Brant, ein britischer Comedian und Schauspieler, der mit Katie Perry verheiratet war, singt mit einem Megaphon von einem hippieartig bemalten Bus aus. Auch er wird schließlich Teil seiner Bühneshow.

22:42 Uhr DJ „Fatboy Slim“ mixt verschiedene Songs auf typische Weise zusammen. Tänzer bewegen sich entsprechend futuristisch und dynamisch zu modernen Klängen.

Es folgt eine Überblendung zu Jessie J, die leicht bekleidet in einem Wagen stehend die Bühne singend umkreist. Eine Megastimmung unter den Zuschauern. Aus einem weiteren Wagen rappt Tinie Tempah.

Im dritten Wagen kommt singend Tario Cruz ins Innere.

Nun stehen alle drei singend auf der Showbühne – Tänzer begleiten die Klänge mit vollem Körpereinsatz. Die Zuschauer rocken.

22:54 Uhr Londoner Taxis rollen an – die Spice Girls werden erwartet. Natürlich alle sehr viel älter geworden, aber sie legen eine recht gute Performance hin. Dabei spielen sie ein Medley ihrer bekannten Hits.

Es tritt „Beady Eye„, die Nachfolgeband von Oasis auf. Es wird der Oasis-Hit „Wonderwall“ gesungen und gespielt. Die Niederländische Sportler sind ganz begeistert.

London 2012: Das umweltfreundliche Vorzeige-Velodrom (Copyright: Ian C.)
London 2012: Das umweltfreundliche Vorzeige-Velodrom (Copyright: Ian C.)

23:02 Uhr Erwartungsgemäß wird es nun bei den Klängen der „Monty Python„-Songs nicht nur bei den Kostümen skuril. Nach einem fehlgeschlagenen Versuch sich mit einer Rakete in die Luft schießen zu lassen, wird aus dem Häufchen Elend der strahlende Eric Idle und gibt den Monty-Phyton-Klassiker „Always look on the bright side of life“ zum besten.

Der Sketch geht weiter – und so findet sich der Schauspieler in einer Bollywood-artigen Gruppe wieder, in der er grimassenschneidend und unbeholfen zu Bestehen versucht, bevor wieder der Song „Always look…..“ angestimmt wird.

23:10 Uhr „Muse“ tritt in action und der Olympiasong „Survival“ füllt das Stadion.

23:14 Uhr Auf der großen Leinwand sieht und hört man Freddie Mercury. Auf der Show-Bühne treten Mitglieder der Band Queen auf. Die Band legt sich richtig ins Zeug – braucht eine Weile, bis der Rock-Song „We will rock you“ unter Begleitung von Jessie J das gesamte Stadion erfasst. Laut ist es – Krach macht es – und: Laune.

23:21 Uhr Griechenlands Nationalhymne wird gespielt und die griechische Fahne wird gehisst.

Nun beginnt der offizielle Teil der Abschlußfeier

Die Olympische Hymne wird von einem Männerchor intoniert. Die Olympische Fahne wird eingeholt und mit militärischen Ehren herausgetragen.

IOC-Präsident Jaques Rogge betritt die Bühne. Neben ihm der Bürgermeister von London Boris Johnson und Eduardo Paes, Bürgermeister von Rio de Janeiro. An diesen wird die Olympiafahne weitergereicht. Es folgt das zeremonielle Flaggeschwenken und die brasilianische Hymne.

Gleich im Anschluss eine Präsentation brasilianischer Kultur: Die nächsten Spiele werden 2016 dort stattfinden.

London 2012: Der 114, 5 Meter hohe ArcelorMittal Orbit Aussichtsturm (Copyright: Ian C. )
London 2012: Der 114, 5 Meter hohe ArcelorMittal Orbit Aussichtsturm (Copyright: Ian C. )

Ein Straßenfeger tritt auf. Ein Securitymann erscheint sofort, um den Straßenkehrer Renato Sorriso wegzuschaffen – doch keine Panik – dies ist Teil der Aufführung. Straßenfeger und Sicherheitsmann legen beide eine flotte Sohle aufs Parkett und Samba-Tänzerinnen treten auf.

Von Marisa Monte, eine der bekanntesten Sängerinnen des Landes geht es weiter zu einer Präsentation der Kultur von Brasiliens Ureinwohnern. Es wird eine Einlage der brasilianischen Kampfkunst „Capoeira“ vorgestellt – sie zeichnet sich durch akrobatische und tanzähnliche Formen aus.

Der legendäre brasilianische Fußballgott Pele ist da. Großer Jubel brandet auf. Nach einer bombastischen Feuerwerkseinlage kehrt Ruhe ein.

Nun folgen die Reden der offiziellen Vertreter –  darunter Sebastian Coe, der ein Fazit der Spiele zieht.

Ein nicht endender Jubel brandet um 23:42 Uhr auf, als sich Lord Coe bei den vielen freiwilligen Helfern bedankt.

Jaques Rogge bedankt sich beim Organisationskomitee, dem Publikum und ebenfalls bei tausenden Freiwilligen für das Gelingen der Olympischen Spiele.

23:48 Uhr IOC-Präsident Rogge erklärt die XXX. Olympischen Spiele in London für beendet.

23:49 Uhr Die Olympische Flamme flammt noch einmal auf – und soll gelöscht werden, um anschließend aus Anlass der Paralympischen Spiele erneut durch das Land zu reisen.

Es folgt der Auftritt von „Take That„, aber ohne Robbie Williams. Während des Songs steigt ein großer rotleuchtender Vogel über der Olympischen Flamme auf. Ein goldenes Feuerwerk begleitet den Auftritt.

Die britische Primaballerina Darcey Bussell erweist sich um 23:56 Uhr als Gestalt des roten Phönix. Eine große Ballett-Show beginnt.

23:59 Uhr Die Olympische Flamme wird gelöscht. Ein Trompetensolo verabschiedet das verlöschende Licht. Die einzelnen Fackeln, aus denen die Olympische Flamme bestand, sind erloschen. Es beginnt das große Finale mit der Gruppe „The Who„. Weitere vier bekannte Stücke folgen in einem Medley. Sie heizen das Stadion noch einmal richtig an. Viel Lasershow und nochmehr Feuerwerk wurde an diesem Abschlussabend abgebrannt.

Selbst das britische Wetter, abgesehen von ein paar schaurigen Wettereinlagen, war durchaus moderat.

London 2012: Die Besucher des Sportevents (Foto: Copyright by Ian C.)
London 2012: Die Besucher des Sportevents (Foto: Copyright by Ian C.)

Die deutsche Bilanz: Die Deutschen Olympiateilnehmer werden mit 44 Medaillen mit der MS Deutschland zurückschippern. 11 Goldene, 19 Silberne und 14 Bronzemedaillen dürfen mit nachhause genommen werden.

So pünktlich wie die Briten ihren Five o’ Clock Tea trinken, so pünktlich wurde auch die Abschlußfeier begonnen und auch beendet.

Es waren wirklich schöne Spiele mit tollem Publikum und freundlichen Ordnungskräften – hoffen wir, dass die Paralympics ebenso ein fantastisches Event werden.