Start Sport London 2012: XXX. Olympische Sommerspiele eröffnet

London 2012: XXX. Olympische Sommerspiele eröffnet

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Die olympischen Ringe in London
Japans paralympische Athleten warten auf London (Foto: Daniel Proll)
Die olympischen Ringe in London
Die olympischen Ringe in London (Foto: Daniel Proll)

Die britische Hauptstadt London richtete 1908 das erste Mal Olympische Spiele aus. Damals waren rund 2000 Sportler am Start. Dann folgten nach dem zweiten Weltkrieg 1948 die zweiten Spiele für London. Japan und Deutschland durften nicht teilnehmen, da beide Nationen Kriegsverlierer waren. Auf dem damaligen Olympiagelände steht heute ein Gebäude der BBC.

Heute nun beginnen für die britische Hauptstadt die dritten Olympischen Sommerspiele. Ein absolutes Novum.

Im folgenden nun eine Live-Berichterstattung der Eröffnungsfeier für unsere Leser.

80.000 Zuschauer warten im ausverkauften Olympiastadion auf die Eröffnungsfeier. Schätzungsweise 4 Milliarden Fernsehzuschauer schauen sich über TV die Eröffnungszeremonie an. Unter den Zuschauern ist auch der Deutsche Bundespräsident Joachim Gauck, der zum ersten Mal bei den Olympischen Spielen anwesend ist.

Vom Frust zur Begeisterung: Vor einigen Tagen reiste das Spreadnews-Team nach London. Von einer Vorfreude, oder sogar von Euphorie in der Stadt war nicht viel zu spüren. Das änderte sich, als die Olympische Flamme durch die Straßen Londons getragen wurde und neben dem Big Ben alle Kirchenglocken im Land 15 Minuten lang läuteten.

Tausende Zuschauer standen auf den Straßen – in diesem Moment sprang der Funke und die Begeisterung für die Olympischen Spiele über. Viele Briten hatten dennoch die Stadt verlassen um in die Ferien zu fahren, weil ihnen der Trubel in den letzten Tagen doch zu groß wurde.

Pünktlich zum Beginn der Eröffnungsfeier regnet es. Das Motto der Feierlichkeit lautet: „This land is full of voice„. Schauspieler und Laien inszenieren im Stadion eine Zeitreise durch die Englische Geschichte – vom Agrarland zur Industrienation. Von Statisten werden fruchtbare Felder ins Stadion getragen und Fabriken mit Schornsteinen werden aus dem Boden nach oben gefahren.

Nicht nur die schönen und guten Errungenschaften im Laufe der britischen Geschichte werden dargestellt, sondern auch sozialkritische Themen werden gezeigt. Kinderarbeit, die man aus der Zeit von Charles Dickens kennt, Todesopfer der Kriege und Landflucht werden thematisiert.

Riesenapplaus von den Tribünen. In der Mitte des Stadions werden die fünf Olympischen Ringe „geschmiedet“ und in der Luft zusammengefügt.

Ankunft der Queen: Ein Film wird gezeigt: Daniel Craig, alias James Bond, holt die Queen mit dem Helikopter vom Buckingham-Palast ab und fliegt Elisabeth II. ins Olympiastadion. Als die Queen mit ihrem Gemahl Prinz Philipp die Haupttribüne betreten, werden beide mit Beifall empfangen. Ein Kinderchor singt die englische Hymne – God save the Queen- – und von Repräsentanten der British Army wird der Union Jack gehisst.

Danach eine wundervolle Inszenierung aus der britischen Literatur, über Mary Poppins, Alice im Wunderland, bis hin zu Harry Potter. Zuvor erfolgte eine großartige Szene über die lange medizinische Tradition, wie zum Beispiel Florence Nightingale.  Die medizinische Versorgung NHS – National Health Service – genießt einen exellenten Ruf. Mit viel Musik und farbenfroh präsentierten sich die vielen Darsteller zu diesem Thema.

Rowan Atkinson, alias Mr. Bean, stimmt das Lied „Chariots of fire„, begleitet vom London Symphonie Orchestra an und träumt neben seinem Handy vom Olympia Sieg. Das war „very british“.

Eine musikalische Zeitreise: Es folgt britische Musikgeschichte – Oldies, Pop, Rock, Punk und mehr: Beatles, Rolling Stones, Sex Pistols, Queen , Depeche Mode, Tanita Tikaram, Amy Winehouse und viele anderen Interpreten wurde per Film und von Darstellern der Arena geboten. Eine riesige Show, dynamisch und eindrucksvoll.

Zum Ende der großen Musikshow wurde der Erfinder des World Wide Web – Tim Berners-Lee, der in der Arena vor einem PC sitzt und surft,beklatscht und mit einem Video der Olympischen Spiele 1948 ein Bogen in die Vergangenheit gespannt.

Doch zuvor eine Schweigeminute an diejenigen, die die Sommerspiele in London nicht mehr miterleben konnten. Jeder Brite konnte ein Bild seiner Angehörigen oder Freunde an die Veranstalter senden. Die Szenerie im Stadion – ein Bild einer untergehenden gelb-roten Sonne in der Wüste Afrikas, ist stark beeindruckend.

Wieder ein Film: David Beckham, bringt mit einem Schnellboot die Fackel über die Themse ins Olympiastadion.

Es wird spannend. Nachdem fast 8000 Fackelläufer die Olympische Flamme von Olympia nach London getragen haben – ist das Geheimnis in London noch nicht gelüftet. Wer entzündet das Olympische Feuer?

Einzug der Athleten: Es folgt der Einzug der Athleten ins Stadion. Dabei folgt die Reihenfolge dem englischen Alphabet. Aus aller Welt sind Sportler eingetroffen. Die deutsche Fahne wird von Natascha Keller – Hockey –  ins Stadion getragen. Für Keller sind es bereits die fünften Olympischen Spiele. 395 deutsche Athleten sind einmarschiert. Es herrscht eine Wahnsinnsstimmung unter den 80.000 Zuschauern. „What a beautiful evening“.

Unter den Nationen befinden sich bereits zu Beginn Namen wie die Antillen und Bhutan, Benin und Burundi die man in der täglichen Berichterstattung eher selten im Zusammenhang mit Sport hört.

Doch weder die geographische Lage noch die Größe der Nation spielt eine Rolle und so finden sich neben anderen Ländern auch folgende Nationen, darunter viele Inselstaaten, unter den 204 olympischen Teilnehmerländern:

  • Tschad
  • Guinea-Bissau
  • Lesotho
  • Madagaskar
  • Marshall-Inseln
  • Mikronesien
  • Myanmar
  • Nauru
  • Palau
  • Palästina
  • Sri Lanka
  • Swasiland,
  • Syrien (trotz aller Konflikte)
  • Tonga
  • Togo
  • Tuvalu
  • Vanuatu

Einige der Nationen wie Burundi erschienen in Nationaltracht oder der Nationaltracht angelehnter Kleidung, während andere eher elegant auftraten. Erstmals war aus Qatar eine Athletin im Team der sonst männlichen Sportler dabei. Sehr humorvoll zeigten sich die tschechischen Sportler beim Einzug – sie trugen blaue Gummistiefel – offenbar eine augezwinkernde Reminenszenz an das  englische Wetter.

Prominenz in London: Auch viel Prominenz sah man auf der Ehrentribüne. Queen Elisabeth II mit Prinz Philipp, Prinzessin Anne, William und Catherine, Hakon und Mette Marit aus Norwegen, Willem- Alexander und Maxima aus den Niederlanden, Albert und Charlene aus Monaco, Charles und Camilla aus Großbritannien, Joachim Gauck mit Lebensgefährtin und Vertreter aus Politik, der verschiedenen Länder waren anwesend. Der amerikanische Präsident fehlte – er schickte seine Frau Michelle nach London.

Mit dem Einmarsch der britischen Sportler zur  Musik von David Bowie „Heroes“ rieselten sieben Milliarden Papierschnipseln auf die anwesenden Menschen herab – für jeden Bewohner der Erde ein Schnipselchen. Eine wirklich schöne Idee.

Als das Lied „Come Together“, gespielt von den Artic Monkeys einsetzt, betreten als weiße Tauben verkleidete Protagonisten, die den Frieden symbolisieren sollen und umrunden das Stadion.

Das olmypische Zeremoniell: Es folgte eine Einleitung durch Sebastian Coe, den Vorsitzenden des Organisationskomitees. Danach hielt Jaques Rogge, Präsident des IOC, seine obligatorische Dankesrede für Veranstalter und vor allem für die ehrenamtlichen Helfer. Er betonte, wie positiv es sei, dass sich auch viele Athletinnen dort eingefunden hätten.

Nach der Rede des IOC Präsidenten eröffnet Queen Elisabeth II formell die XXX. Olympischen Spiele in London.

Die Olympische Fahne wird von Ban Ki-Moon, Haile Gebreselassi, dem Dirigenten Daniel Barenboim und drei Frauen ins Stadion getragen. Die Olympische Hymne wird gespielt. Die Fahne mit den Olympischen Ringen wird zu den Klängen der Hymne gehisst. Beifall brandet auf.

Kameraschwenk nach draussen: David Beckham überbringt die Flamme aus einem Schnellboot. an Großbritanniens erfolgreichsten Sportler Sir Steve Redgrave. Nach letztem Kilometer – Sarah Stevenson verliest den Olympischen Eid –  übergibt Sir Redgrave an sieben junge Nachwuchssportler, die mit dem Feuer eine Runde laufen.

Dann ist das Rätsel gelüftet: Die sieben Nachwuchssportler entzünden gemeinsam das olympische Feuer

Die Olympische Flamme besteht nun aus 204 einzelnen Fackeln – für jede der teilnehmenden Nationen eine. Nach dem Ende der Spiele wird jede Nation ihre Fackel mit nach hause nehmen dürfen.

Das Feuer brennt – die Spiele sind eröffnet.

Mit dem Auftritt von Paul Mc Cartney und dem Beatles-Hit „Hey Jude“, verabschieden wir uns von dieser Live-Berichterstattung-

Die Eröffnungszeremonie erinnerte in ihrer Schönheit an die Olympischen Winterspiele in Lillehammer. Damals ging es um die nordische Mythologie – in London zeigte die Verbindung von Geschichte und Gegenwart in Inszenierung und Musik ein ähnlich zauberhaftes Bild.

Mögen es friedliche und faire Spiele werden – Die Spreadnews-Redaktion (Ende dieses Liveberichts um 2:00 Uhr)