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MAN-Übernahme durch VW

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Es sieht so aus, als habe der Wolfsburger Autobauer VW vor, auf lange Sicht den Münchener Lastwagen-Hersteller MAN zu übernehmen. Volkswagen hat gestern nach eigenen Angaben seinen bisherigen Anteil an MAN von 29,9 auf 30,47 Prozent erhöht.

Bei einer solchen Erhöhung – auch wenn es sich nur um einige wenige Prozentpunkte handelt – sieht das deutsche Aktienrecht vor, dass den übrigen Aktionären ein Pflichtangebot gemacht werden muss. Denn mit mehr als 30 Prozent gilt VW als Großaktionär, der bereits einen beherrschenden Einfluss auf die Unternehmensprozesse und Entscheidungen MANs haben könnte.

Gestrigen Meldungen zufolge bietet VW den MAN-Aktionären einen Kaufpreis von 95 Euro je Stamm- und 60 Euro je Vorteilsaktie an. Die Gesamtsumme würde sich bei diesem Preis für Volkswagen auf ca. zehn Milliarden Euro belaufen. Spätestens Ende dieses Monats soll den Aktionären ein konkretes Angebot unterbreitet werden.

Das wirkliche Ziel von VW ist eigentlich allen klar: Der Autokonzern will nicht nur MAN, sondern auch den schwedischen Lkw-Bauer Scania schlucken und einen neuen Branchenriesen entstehen lassen. Die Verschmelzung der Nutzfahrzeugsparte VWs mit den beiden Unternehmen zu einem großen Nutzfahrzeug-Konzern passt genau in die Strategie der Wolfsburger, die 2009 bereits Porsche und dann Suzuki aufgekauft hatten.

Bereits seit Jahren wird in Wolfsburg an der Fusion mit den beiden Lkw-Herstellern gearbeitet. An dem schwedischen Lastwagenbauer Scania hält VW bereits rund 71 Prozent der Stimmrechte. MAN seinerseits ist an Scania mit 17,4 Prozent der Stimmrechte beteiligt. In Bezug auf die MAN-Anteile reichen bereits 35 bis 40 Prozent  Stimmanteil für VW aus, um auf der Hauptversammlung den größten Einfluss zu haben.

Doch das Angebot an die Anteilseigner des Münchner Lkw-Bauers MAN ist nicht sehr attraktiv für die Aktionäre. Es handelt sich um das zu erwartende Pflichtangebot, nicht mehr und nicht weniger. Die gestrige Meldung reichte allerdings aus, um die MAN-Aktie nach dem Bekanntwerden der Nachricht um 3 Prozent ansteigen zu lassen. Und auch am heutigen Dienstag zählte das Unternehmen zu den größten Gewinnern im Dax.

Doch die Kartellbehörden haben ihre Zustimmung für eine Fusion bislang noch nicht gegeben. Auch ist es grundsätzlich unwahrscheinlich, dass die Verschmelzung schnell über die Bühne gehen wird. Anleger spekulieren auf eine Nachbesserung und Erhöhung des Angebots durch VW, da der bisher angebotene Preis pro Aktie nicht attraktiv genug ist und viele Aktionäre darauf wohl nicht anspringen werden, so die Experten.

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