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Praktikantenausbeute in deutschen Firmen

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Was bislang nur angenommen wurde, ist nun Fakt geworden: Deutsche Firmen nutzen Hochschulabsolventen aus, indem sie sie als unbezahlte Praktikanten als vollwertige Arbeitskräfte einsetzen. Dies hat nun eine Studie bewiesen, die der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB zusammen mit der Hans-Böckler-Stiftung (HBS) unter 674 Absolventen aus vier deutschen Universitäten durchgeführt hat. Die Untersuchung trägt den passenden Titel „Generation Praktikum 2011“.

Die Unternehmen stellen laut Studie ganz besonders gerne junge Akademiker als Praktikanten ein. In der Regel sind diese fest in den alltäglichen Arbeitsablauf integriert und verrichten Jobs, ohne die gewisse Bereiche nicht funktionieren würden. Klar, oft sind dies Routinearbeiten und eher nervige Aufgaben. Doch ehrgeizige Hochschulabsolventen erhoffen sich natürlich, dass sie nach Ablauf ihres Praktikums von der Firma übernommen werden.

Doch nur 22 Prozent der befragten Hochschulabsolventen hätten nach ihrem Praktikum ein Angebot erhalten, von der Firma in eine unbefristete oder befristete Tätigkeit übernommen zu werden. Fakt ist, dass eine Vielzahl der Jungakademiker gibt, die drei Jahre nach Studiumsabschluss freiberuflich arbeiten oder selbstständig sind. 21 Prozent machten eine Zusatzausbildung oder widmeten sich ihrer Promotion, so das Ergebnis der Umfrage.

Grundsätzlich hielt die Studie fest, dass 38 Prozent der befragten Hochschulabsolventen in den ersten dreieinhalb Jahren nach Abschluss ihres Studiums mindestens ein Praktikum absolviert haben. Davon seien wiederum 40 Prozent unentgeltlich gewesen. Werde eine Praktikumsvergütung entrichtet, so sei diese mit durchschnittlich 551 Euro brutto im Monat so gering, dass die meisten Absolventen während der Praktikumszeit auf zusätzliche Gelder angewiesen seien.
Dieses Geld kommt bei 56 Prozent der Befragten von den Eltern, 43 Prozent nutzten die eigenen Ersparnisse oder jobbten nebenher. Ganze 22 Prozent waren während des Praktikums auf Sozialleistungen angewiesen.

Praktika nach dem Studienabschluss werden vom DGB prinzipiell abgelehnt. Nach Meinung des Gewerkschaftsbundes sei ein Praktikum ein Lern- und kein Beschäftigungsverhältnis. Die Stellvertretende Vorsitzende des DGB, Ingrid Sehrbrock, plädiert dafür, dass die Unternehmen vielmehr in reguläre Arbeitsverhältnisse oder Trainee- und Berufseinstiegsprogramme investieren.

Zudem sollte jedes Praktikum mit mindestens 300 Euro im Monat bezahlt werden, so Sehrbrock. Gerade im Bereich der Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaftlern seien unbezahlte Praktika laut Studie besonders oft vertreten. Bei Wirtschaftswissenschaftlern und Juristen sind es 34 Prozent, unter Naturwissenschaftlern 20 Prozent.

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