Stimmen aus Fukushima: Kritische Gedanken und Sorge um Sicherheit

Stimmen aus Fukushima: Kritische Gedanken und Sorge um Sicherheit

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Artikelbild - Ostblick auf die Stadt Fukushima im April 2007 (Foto: pd)
Ostblick auf die Stadt Fukushima im April 2007 (Foto: pd)

„Wie stellt sich die Situation in Fukushima aktuell für die Menschen vor Ort dar? Welche Probleme erlebten sie und welche bestehen möglicherweise weiterhin?

Das sind nur einige der Fragen, die Spreadnews.de im Rahmen einer Fragebogen-Aktion an Einwohner der Präfektur Fukushima richtete. Die Antworten konnten auf Wunsch anonymisiert erfolgen und alle Angaben erfolgten freiwillig.

Im nunmehr siebten Teil unserer Serie „Stimmen aus Fukushima“ kommt Natsuko V. zu Wort. Sie stammt nicht nur aus der Präfektur Fukushima, sondern auch aus der gleichnamigen Stadt, die Verwaltungssitz ist.<

Sie arbeitet in der Außenreinigung von Gebäuden und ist als selbstständige Hilfe in einem Konbini tätig. Ihre Familie umfasst sechs Personen zu der ihre Eltern, eine Großmutter, sowie zwei Schwestern gehören.

Aufgrund ihrer Wohnlage musste sie nicht evakuieren, ihr ist jedoch bewusst, dass einige Menschen auch von dort geflohen sind. Sie lebt immer noch in der Stadt und geht der gleichen Arbeit nach.

In ihrem Alltag nimmt sie immer noch einige Auswirkungen der Kraftwerkskatastrophe wahr – etwa wenn es darum geht, dass Kinder im Freien spielen, oder Landwirtschaft nicht wie zuvor möglich ist. So sieht sie auch die Folgen der Kernschmelze als einschneidender an, als die Naturkatastrophen.

Frau V. ist nach eigenen Angaben zufrieden und glücklich mit ihrer gegenwärtigen Situation. Allerdings glaubt sie nicht, dass es eine sichere Umgebung ist um Kinder aufzuziehen, da die Folgen der Katastrophe noch nicht absehbar sind.

Vor den Ereignissen vom März 2011 ignorierte sie die Kernkraft, was ihr rückblickend peinlich ist.  Jetzt sei die Angst zum Teil des Alltags geworden.

So lange die Sicherheit der Kernkraftwerke nicht garantiert werden kann, wünscht sie keine Neustarts der Anlagen.

Offene Diskriminierung aufgrund ihrer Herkunft aus Fukushima erlebte sie an einer Tankstelle in Tokyo. Genauere Angaben zur Art des Zwischenfalls machte sie nicht.

Im Bezug auf den schlechten Ruf der Dekontaminationsarbeiter befragt, erklärt Frau V. sie sei der Ansicht, dass sich die Sicherheit durch die Anwesenheit der Arbeiter verschlechtert habe.

Im Bezug auf die japanischen Medienberichte machte sie eine interessante Aussage. Sie halte die Berichterstattung für fehlerhaft, da Unterschiede zwischen selbst gesehen und gehörten Dingen und den offiziellen Darstellungen bestehen. Sie schätzt, dass etwa die Hälfte der Berichte vertrauenswürdig sind.

Die Angaben zur Lebenssicherheit durch Strahlungsbelastung ist ihrer Ansicht nach zu 70 Prozent wahrheitsgetreu. Ob sie lokale Produkte kauft, hängt von der Art der Lebensmittel und der genauen Herkunft ab.

Frau V. nutzt neben den japanischen Standardmedien auch Internet News um sich zu informieren.

Die ausländische Berichterstattungen sind ihrer Ansicht nach übertrieben. Anders als Tschernobyl sei Fukushima keineswegs unbewohnbar. Über Besucher aus dem Ausland würde sie sich freuen.

Die Maßnahmen im Bezug auf den Wiederaufbau der Region sind ihrer Ansicht nach nicht ausreichend, da zwar Häuser dekontaminiert werden, aber große Flächen wie Berge und das Meer nicht von den Maßnahmen erfasst werden. Daher könne man auch nicht zufrieden sein.

Um ein paar direkte Worte an unsere Leser gebeten, erklärte sie:

„Ich bin der Meinung, die Menschen sollten mehr darüber nachdenken, ob sie so etwas großes wie ein Kernkraftwerk tatsächlich in der Nähe ihres Wohnortes gebaut haben wollen. Wenn dann nämlich irgendetwas passiert, bleibt wohl nichts als Reue übrig“.

Ergänzend merkte sie noch an:

„Es gibt immer noch viel Unbekanntes im Bezug auf Atomkraft. Ich bete dafür, dass die Wissenschaft weitere Fortschritte macht und alle Menschen der Erde in Frieden und Sicherheit leben können“.

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