Stimmen aus Fukushima: Misstrauen und der Wunsch nach Aufklärung

Stimmen aus Fukushima: Misstrauen und der Wunsch nach Aufklärung

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Artikelbild - Postfiliale in Nihonmatsu, Präfektur Fukushima (Foto: pd)
Alltag in Fukushima: Postfiliale in Nihonmatsu (Foto: pd)

Aufgrund der in Fukushima aktuell von uns durchgeführten Befragung, können wir nun den zweiten Teil unserer Serie „Stimmen aus Fukushima“ vorstellen. Anhand persönlicher Meinungen von Einwohnern wollen wir zeigen, wie die Menschen in Fukushima heute mit dem Thema umgehen.

Dabei kam ein Fragebogen zum Einsatz, so dass die Beantwortung auf Wunsch anonym erfolgte und Fragen ausgelassen werden konnten.

Wir hoffen, mit diesen subjektiven Eindrücken der Betroffenen unsere objektive Berichterstattung bereichern und unseren Lesern einen kleinen Einblick in die Gedankenwelt der Menschen bieten zu können.

Dies sind die Schilderungen von Frau Emiko W., einer allein lebenden Hausfrau aus Nihonmatsu (Präf. Fukushima)

Sie musste aufgrund der geographischen Lage der Stadt nicht evakuieren und lebt immer noch dort.

Als Einfluss aus der Kraftwerkskatastrophe bleibt bei ihr die Sorge um die Lebensmittelsicherheit und die Herkunft der Produkte bestehen.

Bereits vor den Ereignissen vom 11. März habe sie sich Sorgen wegen der Kernkraft gemacht und diese Besorgnis habe sich gehalten. Frau W. ist gegen Neustarts von japanischen Reaktoren und sorgt sich um die Sicherheit der Kinder.

Diskriminierungen habe sie selbst noch nicht erlebt – allerdings seien die späteren Heiratsaussichten für künftige Generationen schlechter, wenn man aus der Präfektur Fukushima stammt.

(ähnliches ist bereits bei Personen bekannt, deren Eltern oder Großeltern von den Atombombenabwürfen 1945 betroffen waren – Anm. d. Red.)

Im Bezug auf den schlechten Ruf der Kraftwerksarbeiter angesprochen, sind ihr selbst 17 Fälle von Verbrechen bekannt, so dass sie Nachts auch Angst habe.

Die japanische Berichterstattung findet sie weiterhin unzureichend und die gemachten Angaben nicht vertrauenswürdig. Die Sicherheit der Lebensmittel zweifelt sie an und isst mit ungutem Gefühl.

Frau W. nutzt zwar keine ausländischen Medien um sich zu informieren, ist jedoch der Ansicht, das bei Berichten über Fukushima die Dinge sehr steril betrachtet werden und nicht wirklich das Herz erfasst wird.

Zum Besuch ausländischer Besucher in der Präfektur befragt, äußerte sie sich positiv. Frau W. hält mehr Besucher aus dem Ausland für sinnvoll.

Nach Angaben von Frau W. sind die Bemühungen um den Wiederaufbau nicht ausreichend und sie ist mit den Fortschritten nicht zufrieden.  Sie ist der Ansicht, dass über die Folgen der Katastrophe hinweggetäuscht wurde.

Ihre Botschaft an die internationalen Leser bezieht sich dann auch auf diese Unsicherheiten und geringe Vertrauenswürdigkeit. Sie wünscht sich, dass wir die Kraft haben, die Wahrheit zu erfassen. Sie selbst habe sie nicht gehabt.

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