Stimmen aus Fukushima: Normalität in Motomiya

Stimmen aus Fukushima: Normalität in Motomiya

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Artikelbild - Dampflokomotive nahe Motomiya, Präfektur Fukushima (Foto: Smoky Shin cc-by-nd)
Dampflokomotive nahe Motomiya, Präfektur Fukushima (Foto: Smoky Shin cc-by-nd)

Egal ob Menschen aus der Präfektur Fukushima aktuell dort immer noch wohnhaft sind, oder als Folge der dortigen Ereignisse evakuieren mussten – jede Geschichte ist individuell und nicht auf den Begriff „Kraftwerkskatastrophe“ zu reduzieren.

Spreadnews.de hat anhand eines Fragebogens unterschiedliche Menschen zu ihren Erfahrungen im Zusammenhang mit den Tohoku-Katastrophen befragt. Alle Angaben erfolgten freiwillig und konnten auf Wunsch anonym gemacht werden.

Im nunmehr vierten Teil unserer Serie „Stimmen aus Fukushima“ kommt Hinako O. eine Bankangestellte aus Motomiya zu Wort.

Frau O lebt mit ihrer Mutter und zwei weiteren Personen in Motomiya. Während des Tohoku-Großbebens verbrachte sie jedoch zwei bis drei Tage mit sechs Personen bei der Familie eines Bruders. Aufgrund der Entfernung zum AKW Fukushima Daiichi musste die Familie nicht evakuieren.

Sie erlebt die Folgen der Kraftwerkskatastrophe unter anderem dadurch, dass Filialen ihres Arbeitgebers aufgrund der Evakuierungen in Namie und Tomioka in die Stadt Fukushima verlegt wurden.

Mit ihrer jetzigen Situation sei sei einigermaßen zufrieden und habe auch keine besondere Sorge um das Wohl ihrer Neffen.

Bereits vor der Katastrophe war sie gegen das Kernkraftwerk eingestellt und war unzufrieden darüber, dass man solch gefährliche Einrichtungen dort gebaut hat. Aus ihrer Sicht ist ein Atomausstieg unbedingt erforderlich. Im Bezug auf Neustarts von Reaktoren äußert Frau O. sich ablehnend.

Sie habe keine besonderen Diskriminierungen aufgrund ihrer Herkunft aus der Präfektur Fukushima erlebt.

Auf ihren Eindruck von den Dekontaminationsarbeitern befragt, denen zum Teil ja Straftaten wie Diebstahl nachgewiesen wurden, erklärte sie, diese fremden Menschen würden auf Außenstehende immer noch beängstigend wirken.

Die japanische Berichterstattung über die Präfektur empfindet sie als einigermaßen korrekt und auch die Vertrauenswürdigkeit der Medien sei mehr oder weniger in Ordnung.

Im Bezug auf die Vertrauenswürdigkeit der Lebensmittelkontrollen hat Frau O zwar etwas Zweifel, aber bei einem Vergleich zwischen lokalen Produkten und Lebensmitteln aus anderen Landesteilen kommt sie zu dem Schluss, dass sie ohne Probleme verzehrt werden können.

Zur Information nutzt sie keine ausländischen Medien, ist jedoch der Ansicht, ihr Leben verlaufe überraschend normaler im Vergleich zu dem, wie ausländische Medien es erscheinen lassen würden. Die Berichterstattung sei zu sehr auf die Kraftwerkskatastrophe konzentriert.

Im Bezug auf die Anstrengungen zum Wiederaufbau und die bislang erzielten Fortschritte, sieht sie beide noch nicht als ausreichend an. Es sei noch viel zu tun.

An unsere Leser gerichtet möchte Hinako O. mitteilen, dass man, abgesehen von den evakuierten Gebieten, an anderen Orten der Präfektur ein normales und gesundes Leben führen kann.

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