Stimmen aus Fukushima: Worte einer Evakuierten

Stimmen aus Fukushima: Worte einer Evakuierten

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Artikelbild - Die Geisterstadt Namie am 12. April 2011 (Foto: VOA, Steven Herman, pd)
Die Geisterstadt Namie am 12. April 2011 (Foto: VOA, Steven Herman, pd)

Im 3. Beitrag der Interview-Serie „Stimmen aus Fukushima“ stehen die Eindrücke und Gedanken einer Person im Vordergrund, die aufgrund der AKW-Krise evakuieren musste.

Wie sie die Situation der Präfektur Fukushima aktuell bewertet, unterscheidet sich deutlich von den vorangegangenen Aussagen jener Einwohner, die nicht zur Flucht gezwungen waren.

Auch in diesem Fall erfolgten alle Angaben anonym und auf freiwilliger Basis. Der Unterschied zu den bislang befragten Personen ist nach unserer Ansicht deutlich.

Es handelt sich um eine namentlich ungenannte Frau aus Namie, im Landkreis Futaba. Sie ist in einem Beschäftigungsverhältnis und lebt nun in der Stadt Fukushima.

Zu ihrer Familie zählen außerdem ihr Ehemann und ihr Sohn, die beide in der Stadt Sendai zu Opfern der Naturkatastrophen wurden. Sie musste nach eigenen Angaben mehrfach evakuieren. Die Folgen der Kraftwerkskatastrophe sind aus ihrer Sicht weitreichender als jene der Naturkatastrophen.

Als größte Auswirkung der Ereignisse vom 11. März 2011 sieht sie den Umstand, dass sie fliehen musste und nun nicht mehr in ihrem früheren Zuhause leben kann. Ihr jetziges Leben sei auch mit Enttäuschungen und Unzufriedenheit verbunden.

Auf die Frage, ob sie der Ansicht sei, dass die Kinder von Fukushima heute in einer sicheren Umgebung aufwachsen könnten, antwortete sie mit einer Gegenfrage;

„Wo ist denn eine „sichere Umgebung“ ?“

Vor den Folgen des Tsunami am Kernkraftwerk Fukushima Daiichi hielt sie die Kernkraft für einigermaßen sicher. Nun ist sie vollständig anderer Ansicht.

Zu ihrer Haltung im Bezug auf Reaktorneustarts an anderen Kraftwerken, oder zu möglichen Diskriminierungen machte sie keine Angaben.

Ihre Haltung zu den Dekontaminationsarbeitern ist vergleichsweise offen. Diese Männer würden eine schwere Arbeit leisten und es sei nicht angemessen, vom Fehlverhalten einiger auf die Mehrheit zu schließen.

Was die Sicherheit der Lebensmittel angeht, so ist dies für sie offenbar eine Vertrauenssache, so dass sie auch lokal hergestellte Produkte kauft.

Über Umfang und Vertrauenswürdigkeit japanischer Medienberichterstattung wollte sich die Befragte ebenso wenig äußern, wie zu Status und Umfang der Wiederaufbaumaßnahmen.

Zu ihren Plänen über eine mögliche Rückkehr in ihren Heimatort befragt, erklärte sie, gegenwärtig keine Rückkehrabsichten zu haben. Die Umstände sprächen dagegen.

Zur Situation von Namie: Die Kleinstadt wurde im Zuge der AKW-Krise evakuiert und Teil des Sperrgebiets um das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi.  Am 1. April 2013 erfolgte die Eingliederung von Namie in das Drei-Zonen-Modell. Dennoch ist Namie weiterhin eine Geisterstadt.

Zuvor war im März 2013 die Erfassung von Namie durch Google Street View bekannt gegeben worden und die Aufnahmen machten den Zustand der hastig evakuierten Ortschaft deutlich. Die aktuellen Street View Aufnahmen von Namie stammen vom Juli 2014.

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