Start Wirtschaft Studie zum „Präsentismus“

Studie zum „Präsentismus“

713
0
TEILEN

Bis dato war vielen der Begriff „Präsentismus“ nicht bekannt. Der in einer aktuellen Studie verwendete Ausdruck bekommt nun aber eine nicht unwichtige Bedeutung: Verstanden wird unter „Präsentismus“ die Tatsache, dass sich viele Arbeitnehmer trotz Krankheit in die Firma schleppen.

Egal ob Schnupfen, Husten oder Magenverstimmung – aus Angst, den Arbeitsplatz zu verlieren oder übertriebenem Pflichtbewusstsein kämpfen sich 75 Prozent der deutschen Angestellten in die Firma. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Beratungsfirma Booz & Company im Auftrag der Felix-Burda-Stiftung.

Demnach verursache dieser Präsentismus enorme Kosten für die Unternehmen. Durch die Präsenz kranker Mitarbeiter am Arbeitsplatz entstünden mehr Kosten, als durch die Ausfälle, die entstehen, wenn Angestellte aus gesundheitlichen Gründen zu Hause blieben und nicht bei der Arbeit erschienen.

Denn kranke Arbeitnehmer können einer Firma sehr viel mehr schaden, als wenn sie nicht am Arbeitsplatz erscheinen würden. Sie stecken andere an, was oft durch die vor allem in größeren Betrieben genutzten Klimaanlagen noch begünstigt wird. Auch ist es sehr wahrscheinlich, dass die gesundheitlich angeschlagenen Mitarbeiter weniger leisten, mehr Fehler machen und sogar öfter in Unfälle am Arbeitsplatz verwickelt sind.

Die Studie hat Zahlen veröffentlicht, die für die deutsche Volkswirtschaft schockierend und alarmierend zugleich sind: Für einen Mitarbeiter kann man pro Jahr durchschnittlich mit 1197 Euro Kosten für Fehlzeiten wegen Krankheit rechnen. Im Vergleich dazu entstehen durch die Anwesenheit von Mitarbeitern, die trotz Anraten des Arztes zur Arbeit gehen oder sich noch nicht vollständig auskuriert haben, Kosten von 2394 Euro. Die versteckten Kosten des Präsentismus liegen pro Mitarbeiter und Jahr also fast doppelt so hoch.

Da die Unternehmen diese Kosten auffangen müssen, hat das Phänomen „Präsentismus“ auch einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Gesamtwirtschaft. Auf die in der Analyse erhobenen Zahlen basierend kam die Studie zu dem Schluss, dass kranke Arbeitnehmer das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr um fast ein Zehntel (9 Prozent) schrumpfen lassen.

Appell der Studie ist es, dass Firmen und Unternehmen dringend an der betrieblichen Gesundheitsvorsorge arbeiten müssten. Den Mitarbeitern müsse klargemacht werden, dass sie nicht nur sich selber, sondern am Ende auch ihrem Arbeitgeber schaden, wenn sie trotz Krankheitssymptomen zur Arbeit gingen.

Die Gefahr besteht, dass Krankheiten verschleppt und sogar chronisch werden können, warnt die Felix-Burda-Stiftung. Auch müsse dem Trend entgegengesteuert werden, da sonst ein Automatismus entstehen kann: Kommen Mitarbeiter krank zu Arbeit setzen sie ihre Kollegen automatisch indirekt unter Druck, dies im Krankheitsfall genauso zu tun.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here