Start Aktuelles Sturm „Sandy“: USA melden AKW-Probleme, Todesopfer und Sachschäden

Sturm „Sandy“: USA melden AKW-Probleme, Todesopfer und Sachschäden

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Sturm "Sandy": Überschwemmungen in New York und weiteren US-Bundesstaaten (Foto: Charlie k Walker cc-by)
Sturm "Sandy": Überschwemmungen in New York und weiteren US-Bundesstaaten (Foto: Charlie k Walker cc-by)
Sturm "Sandy": Überschwemmungen in New York und weiteren US-Bundesstaaten (Foto: Charlie k Walker cc-by)

Obwohl das Nationale Hurrikanzentrum der USA „Sandy“ vom Hurrikan zum Sturm abgestuft hatte, verlor der Wirbelsturm für 60 Millionen Menschen nichts von seiner Gefährlichkeit. Die Windgeschwindigkeiten erreichten dennoch eine Werte von bis zu 135 Kilometer pro Stunde.

Katastrophenalarm herrschte daher nicht nur in Großraum New York – betroffen waren auch die Metropolen Washington, Boston, Philadelphia, Atlantic City und Baltimore. Bisher wurden 15.700 Flüge gestrichen. Alle drei großen Flughäfen in New York blieben am heutigen Dienstag geschlossen. Bisher ist noch völlig unklar, wann gestrandete Passagiere ihren Flug antreten können.

Brände in New York: Im New Yorker Stadtteil Queens hatten herabstürzende Stromleitungen zahlreiche Brände ausgelöst. Ein ganzer Wohnblock brennt im Rockaway Park. 50 Häuser wurden mittlerweile zerstört, aber das Feuer wütet weiter, obwohl 200 Feuerwehrmänner, die sich wegen der Überflutung nur auf Schlauchbooten der Unglücksstelle nähern konnten, dabei sind, die Brände unter Kontrolle zu bekommen. Der New Yorker Feuerwehr fehlt es offensichtlich an ausreichenden Wasserquellen, da sie kein Meerwasser zum Löschen nutzen können.

Noch ist die Brandursache unklar. Obwohl die Keller überflutet sind, frisst sich das Feuer weiter nach oben. Im Universitäts-Krankenhaus mussten 200 Patienten evakuiert werden, weil das Notstromaggregat ausfiel. Dutzende Rettungswagen warteten auf die Übernahme der betroffenen Patienten.

An der Lower East Side explodierte ein Umspannwerk. Ein riesiger Feuerball war bei der Explosion zu sehen. Tausende New Yorker sind ohne Strom.

Der U-Bahn-Verkehr wurde praktisch eingestellt (Foto: Kriston Lewis cc-by)
Der U-Bahn-Verkehr wurde praktisch eingestellt (Foto: Kriston Lewis cc-by)

Hochwasser behindert Verkehr: Von drei Seiten strömte das Hochwasser in Manhattan über U-Bahn Gleise, Straßen und Tunnel.

Ein Tunnel zwischen Manhattan nach Brooklyn und der Holland-Tunnel nach New Jersey und die Brooklyn-Bridge wurden gesperrt.

In Stömen fließt Meerwasser in die Baustelle am Ground Zero. Über vier Meter hoch steht das Wasser im Battery Park. Zwischen Chambers Street und South Ferry wurde der Tunnel der Subway No. 1 überschwemmt. Ebenfalls unterspült ist unter anderem auch die Wall Street.

Der Potomac-River steigt am Morgen MEZ und droht über die Ufer zu treten. Laut „Washington Post“ darf der Wasserpegel nur noch 30 Zentimeter steigen, bevor der Fluß überläuft. Um 14:45 Uhr MEZ melden die Behörden dann eine vorsichtige Entwarnung für den Wasserstand des Potomac-Rivers.

Stromaufälle in New York: 250.000 Haushalte sind allein in Manhattan ohne Strom. Experten machen die Überflutung und explodierende Transformatoren für den Stromausfall verantwortlich. Voraussichtlich kann es bis zu einer Woche dauern, bis alle Haushalte wieder über Strom verfügen können.

Todesopfer und Notfälle: New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg rief die Bevölkerung auf, nur in lebensbedrohlichen Notfällen die Notfallnummer 911 anzurufen, denn zeitweise war die Leitung zur Rettungsstelle komplett überlastet. Durch herabstürzende Bäume wurden bisher 16 Menschen erschlagen.

Folgeschäden: Im Norden von New Jersey ist ein Damm gebrochen. 1000 Bewohner mussten in Moonachie am Hackensack River, aus ihren Häusern evakuiert werden. In einer Wohnwagensiedlung konnten sich die Menschen auf die Dächer retten.

Das AKW Salem (Foto: pd)
Das AKW Salem (Foto: pd)

Auswirkungen auf AKW: Im ältesten AKW der USA wurde Alarm ausgerufen. Durch den bedrohlich ansteigenden Wasserspiegel wurde Alarmstufe 2 für das AKW Oyster Creek, südlich von New York, ausgegeben.

Das Kernkraftwerk wurde wegen Wartungsarbeiten noch vor „Sandy“ vom Netz genommen.

Auch das AKW Indian Point, 70 Kilometer nördlich von New York entfernt, wurde wegen externer Probleme des Stromnetzes abgeschaltet. Gefahr für die Bevölkerung bestehe allerding nicht, teile die Betreiberfirma Entergy mit.

Das Kraftwerk Salem 1 in New Jersey macht Probleme. In Lower Alloways Creek sind vier von sechs Wasserpumpen sind ausgefallen. Behörden teilten mit, dass das AKW stabil sei und keine Gefahr bestehe. Hancocks Bridge, ein Nachbarreaktor, soll normal weiterarbeiten.

Die Reaktoren in Scriba und Buchanan im Bundesstaat New Jersey wurden ebenfalls abgeschaltet. Grund ist die interne Stromversorgung der Nine Mile Point 1, bzw Indian Point 3.

Schneefälle durch Sandy: In North-Carolina scheint es. Bis zu 60 Zentimeter Neuschnee werden erwartet. Schneeflüge sind im Einsatz. Auch in West-Virginia bereitet man sich auf schwere Schneestürme vor.

Technische Schwierigkeiten hatte die „Huffington Post“. Mehrere Server liefen durch den Stromausfall nicht mehr. Das grosse US-Newsportal informiert weiter über Twitter. Nun wird bekannt, dass „Sandy“ weltweit zehntausende Internetseiten lahmgelegt hat.

Präsident Barack Obama ruft für New York, Long Island und Jersey Notstand aus.

Durch falsche Handhabung eines Generators, mussten drei Menschen wegen schwerer Rauchgasvergiftung in ein Krankenhaus gebracht werden. Offensichtlich atmeten die Opfer wegen mangelnder Frischluftzufuhr zu viel Kohlenstoffmonoxyd ein, berichtete die „Washington Post“ am Mittag.

Weiterhin werden an der US-Ostküste heftige Regefälle gemeldet. Der Wind hat dagegen etwas nachgelassen und dreht ab, um als Tropensturm Richtung Kanada zu ziehen.

Aus einer Wasseraufbereitungsanlage in Maryland tritt Abwasser aus und verseucht den Little Patuxent River. Rund 7,6 Millionen Liter laufen pro Stunde aus. Noch wurden keine Maßnahmen eingeleitet um den Überlauf zu stoppen, meldet die „Washington Post“. Weil Helfer andernorts gebraucht werden, konnten noch keine Gegenmaßnahmen greifen.

Die CNN twittert, dass insgesamt über 8 Millionen US-Bürger in New Jersey, Pennsylvania und im Staat New York  ohne Strom sind.

Auf einer Pressekonferenz teilte Chris Christie, Gouverneur von New Jersey mit, dass Plünderungen bisher ausgeblieben seien –  bittet die Bevölkerung aber weiterhin auf Privatfahrten mit dem Auto zu verzichten, da die Straßen für Rettungsfahrzeuge freigehalten werden müssen. Ausserdem wies Christie darauf hin, dass es zu Trinkwasserengpässen kommen könnte, wenn die Stromversorgung weiterhin unterbrochen bleibt.

Nach Angaben eines Energieversorgers zufolge, könnte ein Großteil von Manhattan noch mehrere Tage ohne Stromversorgung bleiben. Nach einer Explosion mit Umspannwerk seien derzeit 240.000 Menschen ohne Strom. Das Gelände des Werks steht noch unter Wasser – erst muss das Wasser komplett abgelaufen sein, bevor der Strom wieder eingeschaltet werden kann.

Gute Nachrichten aus Washington: Die U-Bahn und Busse sollen wieder ab 19:00 Uhr MEZ fahren und in New York soll nach Aussagen des New Yorker Bürgermeisters Bloomberg mit ersten Aufräumarbeiten begonnen werden. Erste Brücken würden wieder geöffnet. Aber trotz positiver Meldungen ist das Chaos, das „Sandy“ angerichtet hat nicht vorbei, denn Feuerwehrmänner in Queens sind immer noch dabei den Großbrand zu löschen. Mittlerweile brennen Medienberichten zufolge etwa 100 Gebäude.

Schulen und Flughäfen bleiben weiterhin geschlossen, aber auch U-Bahnen fahren noch nicht, da die Tunnel überflutet sind. Busse werden voraussichtlich erst ab Mittwoch den Betrieb wieder aufnehmen.

Die amerikanische Nachrichtenagentur AP meldet eine steigende Zahl der Todesopfer in Katastrophenregionen. Noch heute Mittag MEZ wurden 16 Tote gemeldet – am frühen Abend wurde die Zahl auf mindestens 33 hochkorrigiert. Die meisten Todesfälle kämen durch umgestürzte Bäume und herabfallende Äste zustande.

Zahlen zu wirtschaftlichen Gesamtschäden: Der Informationsdienst IHS Global Insight schätzt einen Gesamtschaden von bis zu 50 Milliarden Dollar. „Sandy“ dürfte, nach Angaben von Ökonomen, der US-Volkswirtschaft langfristig keinen weiteren Schaden zufügen. Analysten gehen von Gewinneinbußen von bis zu 30 Milliarden Dollar aus und rechnet mit direkten Schäden von rund 20 Milliarden Dollar. Die nach dem Wirbelsturm entgangenen Umsätze, dürften Investitionen in Wiederaufbau und Rekonstruktionsarbeiten ausgleichen.

Präsident Obama hat seit Ausbruch des Sturms „Sandy“ alle Wahlkampftermine abgesagt, denn er wolle in Washington bleiben, um von dort aus „den Umgang mit dem Wirbelsturm überwachen“, teilte sein Regierungssprecher mit. Am Mittwoch wäre der Präsident im Wahlkampf in Ohio gewesen, denn Ohio ist ein sogenannter Swing State und wäre für die Wahl in der kommenden Woche von Bedeutung gewesen. Bisher ist in der Geschichte der amerikanischen Wahlen noch nie ein potentieller demokratischer Präsident ins Weiße Haus eingezogen, ohne vorher eine Wahl in Ohio gewonnen zu haben. Statt nach Ohio wird Barack Obama am Mittwoch nach New Jersey reisen, um sich persönlich vor Ort ein Bild der zu Lage machen.

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