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Japan aktuell: TEPCO behinderte vorsätzlich Fukushima-Inspektion

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Fukushima-Reaktor 1: Schutzmantel am 14. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 1: Schutzmantel am 14. Oktober 2011 (Foto: TEPCO)
Schutzmantel am AKW Fukushima praktisch fertiggestellt (Foto: TEPCO)
AKW Fukushima: Reaktorinspektion durch Manipulation verhindert (Foto: TEPCO)

Die Angst vor Radioaktivität und schweren Erdbeben schreckt Menschen ab und möglicherweise hat TEPCO die Angst vor Verstrahlung gezielt genutzt, um unliebsame Inspektionen zu verhindern.

Dies legen zumindest die im Zusammenhang mit Kontrollen am AKW Fukushima heute veröffentlichte Informationen nahe.

Die Angst vor Erdbeben ist auch in Japans Hauptstadt Tokyo berechtigt und neuste Untersuchungen könnten die Besorgnis noch verstärken.

Alleine diese Meldung zeigt, dass es neben den Fukushima News auch heute weitere interessante Themen gibt. Einzelheiten zu allem was am AKW Fukushima aktuell ist, sowie zu den übrigen Nachrichten jetzt im Spreadnews Japan-Ticker vom 7. Februar 2013.

Unsere heutigen Themen:

  • TEPCO behinderte Fukushima-Inspektion vorsätzlich
  • Missgeschick bei Fukushima-Räumarbeiten
  • Suchtrupp versucht vermisste Opfer zu finden
  • Risiko eines schweren Erdbebens in Tokyo durch Tachikawa-Verwerfung
  • Neue Entwicklungen im Streit um Senkaku und nördliche Territorien
    • Russische Kampfjets in Japans Luftraum
    • China wirft Japan Schürung von Spannungen vor
    • US-Verteidigungsminister warnt China
    • Japans Premier sechs Tage nach Radar-Provokation informiert
    • Abe will Disput mit Russland um Nördliche Territorien klären
    • Demonstranten fordern Rückgabe an Japan


TEPCO behinderte Fukushima-Inspektion vorsätzlich:
Nach Angaben des Wissenschaftsjournalisten Mitsuhiko Tanaka verhinderte TEPCO die Besichtigung Fukushima-Reaktor 1 durch Mitglieder des parlamentarischen Untersuchungsausschusses, indem vor Dunkelheit, Trümmern und extrem hoher Strahlung gewarnt worden war – falsche Behauptungen, wie sich herausstellte.

Bei der Kontrolle des Reaktors sollte ermittelt werden, ob wichtige Teile des Reaktors, insbesondere des Notkühlsystems bereits durch das Erdbeben beschädigt worden waren, da dies noch strengere Erdbebensicherheitsstandards für Kernkraftwerke zu Folge hätte. Der Ausfall des Systems unmittelbar nach dem Beben hatte die Kernschmelze begünstigt.

TEPCO bestreitet die Beschädigung des Kühlsystems, obwohl mehrere Arbeiter zum Zeitpunkt des Erdbebens ein Wasserleck im vierten Stock festgestellt hatten.

In einem Gespräch mit Toshimitsu Tamai, damaliger Leiter der Abteilung von Unternehmensplanung bei TEPCO, am 28. Februar 2012 habe Tamai mehrfach Gründe genannt, die eine Besichtigung des Reaktors als „zu gefährlich“ erscheinen liessen und sich im Nachhinein als Täuschung herausstellten.

  • Tamai behauptete, das vierte Stockwerk sei unbeleuchtet und legte zum Beleg ein Foto vor, auf dem ein nur schwach beleuchtetes Stockwerk zu sehen war. Dabei habe es sich um den Zustand vor der Anbringung des Schutzmantels gehandelt, nun herrsche im Inneren völlige Dunkelheit.
  • Das Risiko mit schweren Dosimetern in völliger Dunkelheit im Reaktor unterwegs zu sein, über herumliegende Trümmer zu stolpern, aufgrund der Finsternis in Panik zu geraten und die Möglichkeit in Bereiche mit gefährlich hoher Strahlung zu gelangen seien sehr hoch, erklärte Tamai.

Diese Aussagen sind durch Tonaufnahmen belegt, die der Asahi Shimbun vorliegen. Nach einer Beratung entschlossen sich die Ausschussmitglieder aus Sicherheitsgründen auf eine Besichtigung der Anlage zu verzichten. In ihrem Bericht Ende Juli äußerte der Ausschuss die Annahme, sicherheitsrelevante Teile könnten Erdbebenschäden aufweisen.

Die Behauptungen stellten sich bei Nachforschungen als falsch heraus

Da sich das gleiche Foto später auf der Webseite von TEPCO fand und dort auf den Oktober 2011 datiert wurde, bedeutet dies, dass zum Zeitpunkt als das Foto entstand, der Schutzmantel bereits seit vier Tagen aufgebaut war.

Ein Artikel, der in einem Magazin der Bauindustrie veröffentlicht wurde belegt, dass die Decke des Schutzmantels mit fünf Quecksilberlampen ausgestattet worden war, die eine Helligkeit von Autoscheinwerfern von 40 Fahrzeugen lieferte. Weitere fünf Lampen befanden sich zusätzlich dort auf Stand-by.

TEPCO bestreitet vorsätzliche Täuschung

Der Kraftwerksbetreiber TEPCO leugnet eine vorsätzliche Täuschung, sondern behauptet, bei der Erklärung zur Unsicherheit habe es Fehler gegeben. Auch sei der Mitarbeiter irrtümlich davon überzeugt gewesen, dass das angebliche Beweisfoto vor der Anbringung des Schutzmantels entstanden sei. Es habe keine vorsätzliche Täuschung gegeben.

Wissenschaftsjournalist Tanaka, früheres Mitglied der Kommission hatte seine Aussagen heute den Vertretern von Oberhaus und Unterhaus des japanischen Parlaments vorgelegt. Über den Fall  berichteten Kyodo, jiji, NHK und Asahi Shimbun.

Missgeschick bei Fukushima-Räumarbeiten: Gestern begann um 10:37 Uhr die Bergung von Stahlgerippe-Trägern aus dem oberen Bereich von Reaktor 3. Gegen 13:00 Uhr brach ein Teil des Stahlgerippes beim Anheben in zwei Teile.

Fukushima-Reaktor 3: Abklingbecken vor und nach der Stahltrümmerbergung am 6. Februar 2013 (Foto: TEPCO)
Fukushima-Reaktor 3: Abklingbecken vor und nach der Stahltrümmerbergung am 6. Februar 2013 (Foto: TEPCO)

Dadurch blieb eines der beiden Stücke zunächst im Abklingbecken, wurde jedoch um 13:18 Uhr erneut gehoben.

Um 14:06 Uhr waren die Arbeiten erfolgreich abgeschlossen worden und die geborgenen Teile des Stahlgerüsts auf die Südseite des Geländes transportiert.

Nach Angaben von TEPCO gab es trotz des kleinen Zwischenfalls keine nennenswerten Änderungen des Wasserstands im Abklingbecken.

Auch der Einsatz einer Unterwasserkamera zeigte keine Schäden am Becken oder anderen Strukturen.

Die radioaktive Belastung der Luft im oberen Teil des Abklingbeckens lag vor der Entfernung der Trümmer bei 25,7 Millisievert pro Stunde.

Nach der Entfernung sank der Wert leicht auf 21,3 Millisievert pro Stunde.

Suchtrupp versucht vermisste Opfer zu finden: Eine sechzigköpfige Gruppe aus Freiwilligen und Hinterbliebenen will sich am Samstag im Bezirk Yuriage der Stadt Natori auf die Suche nach den vermissten Personen der Tohoku-Katastrophe machen. Immer noch gelten mit Stand vom gestrigen Mittwoch 2.698 Menschen als vermisst.

Nach Angaben von Masahiko Midorikawa, der mit einer Freiwilligengruppe vier bis fünf Mal im Monat nach Überresten sucht, erklärte gegenüber der Mainichi Shimbun die Schwierigkeiten. So werden etwa Gebeine aufgrund der Gezeiten auch in Gebieten gefunden, die bereits durchsucht worden waren.

Risiko eines schweren Erdbebens in Tokyo durch Tachikawa-Verwerfung: Ein Seismologenteam unter der Leitung des Erdbebenforschungsinstitus der Universität Tokyo hat alarmierende Prognosen für Tokyo.

Seit Oktober durchgeführte Studien, zu denen auch eine Erdaushebung von 250 Metern Länge und zehn Meter Tiefe gehörten, deckten eine Schicht aus Lehm und Ton auf, die vertikal verläuft, was auf eine horizontale Bewegung der Verwerfung hindeutet.

Sollte sich die Verwerfung gleichzeitig horizontal und vertikal bewegen, könnte dies in größeren Gebieten zu starken Erdbeben führen, als bislang angenommen. Bereits nach dem Tohoku-Erdbeben 2011 war vor dem Risiko der Verwerfung gewarnt worden.

Die Regierung geht davon aus, dass es sich bei der Tachikawa-Verwerfung im Westen von Tokyo nur um eine von mehreren Verwerfungen handelt, die in Japans Hauptstadt schwere Schäden anrichten könnten.

Neue Entwicklungen im Streit um Senkaku und nördliche Territorien: Die jüngsten Ereignisse, in die auch Russland verstrickt ist, zeigen die problematische Haltung, die Nachbarstaaten gegenüber Japan haben. Die aktuellen Meldungen für Sie zusammengefasst:

Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)
Japanische Nationalflagge (Originalfoto: Toshihiro Oimatsu cc-by)

Russische Kampfjets in Japans Luftraum: Zwei russische Su-27 Kampfjets sind gegen 14:59 Uhr vor Japans nördlichster Hauptinsel Hokkaido für etwa zwei Minuten in japanischen Luftraum eingedrungen. Japan legte Protest wege des Zwischenfalls ein. Es ist die erste Luftraumverletzung durch Russland seit fünf Jahren.

China wirft Japan Schürung von Spannungen vor: Japan versuche vorsätzlich die Krise zu schüren, indem man die Zielradar-Provokation durch China als Vorwand nutze. Diesen Vorwurft erhebt die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums nachdem Japans Verteidigungsminister Itsunori Onodera China wegen des Vorfalls kritisiert hatte.

US-Verteidigungsminister warnt China: Leon Panetta warf China vor, durch seine Aktionen die Spannungen zu steigern und warnte vor Eskalation. Er erklärte, es sei für China wichtig zu erkennen, dass die USA, Japan, Südkorea und andere Staaten alles notwendig tun werden, um Sicherheit und Wohlstand zu sichern. China sollte Teil und nicht gegen diese Bemühungen sein.

Japans Premier sechs Tage nach Radar-Provokation informiert: Da man nach der Hubschrauer-Anpeilung durch ein chinesisches Waffenzielsystem Probleme hatte, den Fall genau einzuordnen, war man bei der Anvisierung eines japanischen Zerstörers sorgfältiger vorgegangen. Dadurch erhielt Premier Shinzo Abe den Bericht erst nach sechs Tagen.

Abe will Disput mit Russland um Nördliche Territorien klären: Japans Premierminister Shinzo Abe erklärte anlässlich des Jahrestags der Unterzeichnung eines Abkommens im Jahr 1855, das Japan die Hoheit über die vier Inseln sicherte, bis sie nach dem zweiten Weltkrieg von der Sowjetunion besetzt worden waren, er strebe eine Lösung mit Russland an.

Demonstranten fordern Rückgabe an Japan: Auch eine Zahl früherer Bewohner der Inseln, die sich nun in fortgeschrittenem Alter befinden, nutzten den Jahrestag um die Rückgabe der nördlichen Territorien an Japan zu fordern.

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