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Wer ist eigentlich Jörg Kachelmann?

Jörg Kachelmann
Jörg Kachelmann

Das Gesicht von ihm kennt fast jeder. Immer wenn es ums Wetter ging, war Jörg Kachelmann in deutschen Fernsehen präsent. Er war wohl der bekannteste Wettermoderator, mit einem Faible für außergewöhnliche Wetterlagen.

Kachelmann moderierte die Talkshow „Riverboat“ und seine eigene Talkshow mit dem Titel „Kachelmanns Spätausgabe“.

Jetzt steht der 52-jährige wegen Vergewaltigungsvorwürfen vor dem Mannheimer Landgericht. Seine langjährige Freundin hatte ihn angezeigt. Nun muss sich Kachelmann vor Gericht verantworten.

Klageerhebung am 19. Mai 2010
Am 19.Mai 2010 wurde gegen ihn Klage erhoben, wegen des Verdachts der besonders schweren Vergewaltigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Jörg Kachelmann bestreitet dir Vorwürfe. Ist der ehemalige Wettermoderator wirklich ein Täter, oder Opfer einer Verschwörungskampagne.

Biografie von Jörg Kachelmann
Am 15. Juli 1958 in Lörrach/Deutschland geboren, verbrachte er seine Jugend in Schaffhausen. Nach eigenen Angaben wollte er schon als Kind Meteorologe werden. Im Alter von 20 Jahren wurde er Schweizer Staatsbürger. Kachelmann studierte in Zürich Mathmatik, Physik und Geographie und als erstes Nebenfach Meteorologie.

Zwei Monate vor dem Examen brach er sein Studium ab und volontierte bei einer Boulevardzeitung. Anschließend arbeitete Jörg Kachelmann beim Schaffhauser Lokalradio, wechselte dann in die Wissenschaftsredaktion des Schweizer Fernsehens und wurde stellvertretender Chefredakteur der Schweizer Illustrierten.

Kachelmann kaufte ein altes Bauernhaus in Bächli (Kanton Gallen) und baute das Haus zu einer Wetterstation um. Er gründete eine Firma in Gais im Kanton Appenzell Ausserrhoden und nannte sie Meteomedia AG. Mit seiner geschiedenen Frau arbeitet er heute noch zusammen und produziert Wetterseiten für die Presse.

Kachelmann war Werbeträger für Danone und die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Außerdem ist er „Bootschafter“ der DGRS (Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger).

Festnahme am 20. März 2010
Am 20.März 2010 wird Jörg Kachelmann am Rhein-Main Airport Frankfurt nach seiner Rückkehr aus Vancouver/Kanada festgenommen. Er gehörte dem ARD-Team an, die von den Olympischen Spielen berichteten.Kachelmann wurde vorgeworfen, seine Ex-Freundin vergewaltigt zu haben.

Am 22.März kündigt Kachelmann an, er wolle eine Gegenklage wegen „falscher Anschuldigungen“ erheben. Die Vergewaltigungsvorwürfe seien „frei erfunden“. Für die Staatsanwaltschaft besteht jedoch dringender Tatverdacht.

Am 23.März beteuert Jörg Kachelmann seine Unschuld. Seine Beteuerungen teilten Kachelmanns Anwälte auf ihrer Web-Site mit.

Am 24.März entscheidet ein Mannheimer Richter, dass Kachelmann weiter in Untersuchungshaft bleiben muss. Vor dem Untersuchungsrichter beteuert der Wettermoderator weiterhin seine Unschuld. Als Kachelmann abgeführt wird, ruft er wartenden Journalisten zu: „Ich bin unschuldig“.

Laut SPIEGEL Informationen vom 27. März, soll Kachelmanns Festnahme von der „Soko Flughafen“ mindestens drei Wochen bis ins Detail geplant worden sein, um möglichst wenig Aufsehen zu erregen.

Am 4./5. Mai
beantragt Jörg Kachelmanns Anwalt, den Haftbefehl seines Mandanten aufzuheben. Der Haftrichter vertagt die Entscheidung, weil noch weitere Ermittlungsergebnisse vorliegen müssten.

Am 15. Mai
nimmt die Ex-Freundin einen Teil ihrer Anschuldigungen zurück. Den Vergewaltigungsvorwurf hält sie, nach SPIEGEL Informationen aufrecht.

Anklageerhebung am 17. Mai 2010
Anklageerhebung der Staatsanwaltschaft Mannheim erfolgt am 17. Mai: Wegen Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall und Körperverletzung.

Psychologin in Zweifel über Vergewaltigung – 2. Juni 2010

Die Bremer Psychologin Luise Greuel kommt in ihrem Gutachten zur Glaubwürdigkeit der Hauptklägerin zu dem Schluss, dass das mutmaßliche Opfer die Tat selbst bei eingehender Befragung nur oberflächlich und vage wiedergeben kann.

Sie stellt Sachverhalte da, die handlungstechnisch unwahrscheinlich bis unmöglich seien. Die Schilderung der Vergewaltigung erfülle nicht die Mindestanforderung an logischer Detaillierung und Konstanz.

Der Haftbefehl gegen Jörg Kachelmann bleibt am 15. Juni bestehen. Das Landgericht Mannheim teilt mit, dass noch weitere Stellungnahmen der Verteidiger geprüft werden müssen. Der Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls wird daher von der Strafkammer später entschieden.

Am 25. Juni entscheidet das Landgericht Mannheim, dass ein neuer Haftprüfungstermin am 2. Juli stattfinden soll. Kachelmann soll erneut angehört werden.

Am 29. Juni legt Kachelmanns Anwalt Birkenstock beim Oberlandesgericht Karlsruhe Haftbeschwerde ein. Mit der Entscheidung aus Karlsruhe wird Mitte Juli gerechnet. Somit fällt der Haftprüfungstermin am 2. Juli aus.

Das Landgericht Mannheim lehnt am 1. Juli einen Antrag auf Aufhebung des Haftbefehls ab, und beruft sich auf die noch ausstehende Entscheidung des OLG Karlsruhe. Jörg Kachelmann bleibt weiter in Untersuchungshaft.

Die Begründung vom Oberlandesgericht Karlsruhe erfolgt am 29. Juli: “ Im derzeitigen Stadium des Verfahrens besteht kein dringender Tatverdacht mehr“.

Kachelmann muss sofort aus der Haft entlassen werden. Nach seiner Entlassung beteuert Kachelmann in Fernsehinterviews weiterhin seine Unschuld. Er wolle vor Gericht um seine Freiheit kämpfen, da er unschuldig sei.

Am 31. Juli sieht Kachelmann seine Persönlichkeitsrechte verletzt und fordert vom Springer-Verlag Schmerzensgeld in Millionenhöhe.

Nach viermonatiger Untersuchungshaft beschreibt Kachelmann am 2. August seine Unterbringung in der Mannheimer Haftanstalt: „…wie man es sich für einen Regimegegner in Nordkorea“ ausmalt. Die Haftanstalt widerspricht Kachelmanns Angaben.

Jörg Kachelmann
Jörg Kachelmann

Beginn der Hauptverhandlung – 6. September 2010
Das Mannheimer Landgericht muss klären, ob Kachelmann tatsächlich seine langjährige Freundin vergewaltigt hat. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Neun Ex-Freundinnen sollen in dieser Wochen angehört werden. Nicht alle wollen aussagen, weil das alles schon so lange her sei.

Die Herausgeberin der feministischen Zeitschrift „Emma“ Alice Schwarzer will in der „Bild“-Zeitung das Verfahren kommentieren. Schwarzer  will damit garantieren, dass die Sicht des mutmaßlichen Opfers ernst genommen wird.

Schon nach wenigen Minuten wurde am ersten Verhandlungstag der Prozess zur Enttäuschung der Zuhörer im Gerichtssaal unterbrochen. Die Strafverteidiger Kachelmanns hatten Befangenheitsanträge gegen zwei Richter gestellt. Der Prozess wurde vertagt.

Der umstrittene Entertainer Oliver Pocher narrt zu Prozessbeginn als Kachelmann verkleidet die Presse und beteuert in dieser Rolle von Mädchen umringt seine Unschuld. Die Aktion löst Empörung aus und wird von vielen als „geschmacklos“ und „peinlich“ bezeichnet.

Am 10. September wird der Befangenheitsantrag vom Gericht abgeschmettert. Es hieß, dass die Juristen professionell genug seien, um in diesem Verfahren neutral zu entscheiden.

Am 13. September verzichtet Kachelmann darauf, sich persönlich vor Gericht zu dem Vergewaltigungsvorwurf zu äußern. Er schweigt. Der Beschuldigte soll dem mutmaßlichen Opfer mit dem Tod gedroht haben, heißt es in der Anklage der Staatsanwaltschaft.

Beweisaufnahme am 15. September

Hier widmet sich das Gericht Detailfragen. Das Gericht hört den von der mutmaßlich vergewaltigten Ex-Freundin abgesetzten Notruf.

Der Strafverteidiger Birkenstock beantragt die Befragung von Gutachtern, um zu belegen, dass die Frau lügt. Das Gericht unterbricht die Sitzung.

Am 16. September: Eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die ermittelnden Staatsanwälte scheitert, obwohl Birkenstock ihnen Schlamperei vorwirft, einzelnen Hinweisen nicht, oder zu spät nachgegangen zu sein.

Im Prozess am 22. September werden die Eltern des mutmaßlichen Opfers befragt und zwei Hotelangestellte, die die fragliche Eincheckzeit Kachelmanns am 9. Februar bestätigen sollen. Stunden davor soll der der Wettermoderator seine Ex-Freundin bedroht und vergewaltigt haben.

Sie habe extrem fahl ausgesehen und von Todesangst berichtet haben, sagte am 29. September eine Polizeibeamtin vor der 5. großen Strafkammer des Mannheimer Landgerichts. Die Polizistin hatte die Ex-Freundin nach der Vergewaltigung befragt.

Am 4. Oktober
wird, unter Ausschluss der Öffentlichkeit vier Stunden lang der Vater vor Gericht vernommen.

Am 6. Oktober muss die Verteidigung Kachelmanns eine Schlappe einstecken. Das Gericht lehnt einen von der Verteidigung bestellten Gutachter ab. Begründung: Es bestünden Zweifel an der Unparteilichkeit des Sachverständigen.

Am 11. Oktober wird Kachelmanns Verteidiger Birkenstock bissig. Er wirft dem Gericht vor, „mangelndes Verständnis für den Beruf des Rechtmediziners“ zu haben.
Warum scheint sich die Kammer auf die Seite der Staatsanwaltschaft zu schlagen, wird immer wieder gefragt. Befangenheitsvorwürfe werden am 13. Oktober immer lauter.

Der Rechtsmediziner Dr. Bernd Brinkmann wird als Gutachter weiterhin nicht zugelassen. Der Arzt schließt eine Selbstverletzung des mutmaßlichen Opfers nicht aus. Die Petition des Kachelmann Anwalts wurde abgelehnt.

Am 18. Oktober streiten sich Verteidigung, Staatsanwaltschaft und das Gericht über juristische Detailfragen. Das Gericht gibt nach – und belehrt die Ex-Freundin im Nachhinein über ihr Recht, was zuvor versäumt worden war.

Ablehnung eines weiteren Befangenheitsantrags – 20. Oktober

Wieder einmal scheitert Anwalt Birkenstock am 20. Oktober  erneut mit einem Befangenheitsantrag gegen das Gericht. Der Antrag wird abgelehnt und das Verfahren gegen Kachelmann fortgesetzt.

Vernehmung der Hauptbelastungszeugin – 25. Oktober 2010

Schick gekleidet und hocherhobenen Hauptes kommt am 25. Oktober die Hauptbelastungszeugin, dass mutmaßliche Opfer, ins Mannheimer Landgericht.

Auf dem Weg zur Befragung hält sie das Buch vom Berliner Strafverteidiger und Schriftsteller Ferdinand von Schirach vor ihr Gesicht. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wird die Frau vernommen.

Das  Gericht hat am 27. Oktober nach vier Tagen die Vernehmung der Hauptbelastungszeugin beendet. Sie behauptet weiterhin ein Vergewaltigungsopfer Kachelmanns zu sein. Die Verteidigung hingegen sagt, dass die Rehabilitierung Kachelmanns auf dem Weg sei.

Karriereende von Kachelmann – 3. November 2010

Unabhängig wie der Prozess ausgeht, gibt Kachelmann sein TV Karriereaus bekannt. Er kündigte am 3.November in einem Interview an, er wolle auch sein Privatleben neu ordnen und fortan in Monogamie leben.

Weitere Ex-Freundin Kachelmanns sagt aus – 8. November 2010
Eine andere ehemalige Freundin steht am 8. November als Zeugin vor Gericht. Die als Försterin arbeitende Frau sprach über ihr Verhältnis zu Kachelmann und berichtete von einem Telefonat, dass Kachelmann Stunden nach der mutmaßlichen Tat mit ihr geführt haben soll. Er sei sehr fahrig und nervös gewesen.

Festnahme eines dpa-Journalisten – 10. November 2010

Einem dpa-Journalisten, der ebenfalls juristische Examina abgelegt hat, wirft am 10.November die Staatsanwaltschaft vor, die Kammer unter einem Fenster des Gerichtsgebäudes abgehört zu haben. Ein Richter lässt den dpa-Journalisten festnehmen.

Die DPA bestreitet den Vorwurf entschieden und beklagt den Eingriff in die Pressefreiheit. Stunden später wurde der Journalist freigelassen.

Befragung einer Gynäkologin
Eine Gynäkologin aus einer Heidelberger Klinik wird zur Verletzungsart des mutmaßlichen Opfers befragt.

Am 12. November sieht sich die Presseagentur in ihrem Protest bestätigt, denn die Ermittlung gegen den Journalisten wird eingestellt. Der Abhörverdacht wird fallen gelassen.

Alice Schwarzer muss Strafe zahlen – 22.November 2010
Die veröffentliche Anti- Kachelmann -Kampagne von der „Emma“ Herausgeberin Alice Schwarzer kommt ihr teuer zu stehen. 5000,- Euro muss sie für ihren Artikel „Spielchen der Verteidigung“ zahlen. Die Vertragsstrafe wurde am 22. November verhängt.

Kachelmann wechselt Verteidiger Birkenstock gegen Schwenn
Jörg Kachelmann macht bis zum nächsten Verhandlungstag 29. November Urlaub in Kanada. Als er zurück in Deutschland ist, lässt er verkünden, dass er Strafverteidiger Birkenstock gegen einen anderen Anwalt ausgetauscht habe.

Der aus Hamburg stammende prominente Strafverteidiger Johann Schwenn wird ab sofort seine Verteidigung übernehmen. Kachelmann schweigt über seinen Sinneswandel, genau so, wie er in den vergangenen Prozesstagen beharrlich geschwiegen hat.

Der Prozess geht in die entscheidende Phase: Rechtsmediziner, Psychiater und Psychologen sollen angehört werden.

Schwenn beginnt Verteidigung offensiv –  Dezember 2010
Am 1. Dezember betritt der neue Strafverteidiger Johann Schwenn den Gerichtssaal. Nach wenigen Minuten ließ er eine Zeugenvernehmung unterbrechen. Johann Schwenn beklagte die Fragetechnik der Richter.

Viel mussten sich die interessierten Zuschauer im Mannheimer Landgericht gefallen lassen. Rein in den Gerichtssaal und wenige Minuten später wieder raus aus dem Gerichtssaal. Johann Schwenn verlangt am 3. Dezember nach mehr Öffentlichkeit. Nebenher attackiert der Strafverteidiger die Kammer und demontiert eine Sachverständige.

Angebliches Opfer gibt der Zeitschrift „Bunte“ ein Interview

Unter großem psychischen Druck waren auch Tränen vergossen worden, als bei der Zeuginnenvernehmung, unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Frauen zu den angeblichen Sexualpraktiken von Kachelmann gehört wurden.

Einige Tage später äußerte sich eine Zeugin relativ freimütig gegenüber der Boulevardpresse, indem sie der Zeitschrift „Bunte“ ein Interview gab.

Am 8. Dezember will Kachelmanns Strafverteidiger daher die Redaktionsräume der Zeitschrift „Bunte“ und dem Nachrichtenmagazin „Focus“ durchsuchen lassen, um eventuelles Material zur Entlastung seines Mandanten zu finden.

Am 10.Dezember greift Johann Schwenn die Staatsanwaltschaft an, weil sie Ermittlungsergebnisse an die Presse weitergegeben haben sollen.

Rechtsmediziner als Zeuge bezweifelt Vergewaltigung
Der Rechtsmediziner Dr. Bernd Brinkmann wird vom Gericht als Gutachter nicht zugelassen, weil er anhand der ihm vorgelegten Fotomaterials Zweifel an einer Vergewaltigung hat. Das mutmaßliche Opfer könne sich die Verletzungen auch selbst zugefügt haben.

Der Arzt wird nur als sachverständiger Zeuge befragt – er darf nichts bewerten. Außerdem demontierte Johann Schwenn die Psychologin Luise Greuel, deren anfängliches Gutachten Kachelmann entlastet hätte.

Am 20. Dezember wird ein Sachverständiger vom Landeskriminalamt Baden-Würtemberg befragt. Er hat das vermutliche Tatmesser nach DNA-Spuren untersucht. Eine klare Aussage traf der Gutachter nicht, dafür seien die Blut,-und Fingerspuren zu unklar.