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Tohoku-Helfer: Menschen, über die man sonst nicht spricht

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Artikelbild - Versorgungsgüter am 15. März 2011 (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Katastrophenhilfe in Japan: Verteilung von Versorgungsgütern am 15. März 2011 (Foto: Copyright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)

Am morgigen Dienstag sind drei Jahre vergangen, seit das Große Ostjapanische Erdbeben die Region Tohoku erschütterte, einen Tsunami auslöste und zur bislang schwersten Reaktorkatastrophe Japans führte. Seitdem sind es vor allem die Schwierigkeiten bei der Bewältigung der Fukushima-Krise, die international beachtet werden.

Weniger Beachtung finden dagegen die vielfältigen Arten von Hilfe und die unterschiedlichen Formen von Unterstützung, die den Katastrophenopfern zukamen und weiterhin zukommen.

Versorgung durch die Selbstverteidigungsstreitkräfte (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)
Versorgung durch die Selbstverteidigungsstreitkräfte (Copyright: Andreas Teichert/DTRG e.V.)

Beim Thema „Hilfe für Japan“ haben die meisten Menschen vermutlich die Bilder von Flugzeugen und Schiffen vor sich, die mit Hilfsgütern beladen werden, oder die Rettung von Menschen aus gefährlichen Situationen. Doch es gibt viele Formen von Hilfe.

Neben der „Operation Tomodachi„, dem Hilfsprogramm der US-Armee, gab – und gibt  – es unzählige Helfer, die dazu beitragen, das Japan trotz des Großbebens, der Tsunamikatastrophe und der Kernschmelze jetzt in der Lage ist, den Wiederaufbau und die Bewältigung der Probleme voranzutreiben.

An dieser Stelle wollen wir uns daher den Personengruppen widmen, die aufgrund der zahlreichen Opfer meist in Vergessenheit gerät, oder deren Schicksal zumindest nicht ständig präsent ist – den Helfern.

  • Unterstützung aus Deutschland
  • Emotionale Hilfe in Japan
  • Aufräumen nach der Katastrophe
  • Helfer für vier Pfoten
  • Abschluss

Unterstützung aus Deutschland

Ein Teil dieser Hilfe kommt aus Deutschland und so waren auch hier vor allem Spenden und Wohltätigkeitsveranstaltungen Ausdruck der Hilfsbereitschaft. In Düsseldorf, das den größten japanischen Bevölkerungsanteil aufweist, waren es etwa das Benefizkonzert „Hope for Japan“, oder die Spenden durch die Inhaber der Maruyasu-Lokale.

Gedenken an die Opfer der Tohoku-Katastrophe (Foto: Frank Schwichtenberg, cc-by)
Uetersen, April 2011: Gedenken an die Opfer der Tohoku-Katastrophe (Foto: Frank Schwichtenberg, cc-by)

In der Bundeshauptstadt Berlin war die Anteilnahme ebenfalls groß. Die japanische Botschaft nennt auf Ihrer Webseite für den Zeitraum zwischen dem 19. März und dem 16. September 2011, insgesamt 78 Benefizveranstaltungen.

Einige engagierte Bürger wollten weitergehend helfen und so bildete sich beispielsweise der Verein „Kizuna in Berlin“, dessen Mitglieder als Freiwillige nach Japan gingen, oder im Rahmen eines Freundeskreises anderweitig Hilfe leisten.

Von bereits bestehenden Organisationen setzte sich beispielsweise der „DTRG, Vereinigung für internationale Katastrophenhilfe e.V.“ unmittelbar vor Ort in Japan ein. Die Mitglieder trugen die Kosten für Ausrüstung und Anreise selbst und blieben mehrere Monate im Krisengebiet. Über ihre Arbeit berichtet unsere Gastartikelserie. „Katastrophenhelfer in Japan„.

Insgesamt ist die Vielfältigkeit der Bemühungen auch in Deutschland schlichtweg zu groß, um sie alle zu nennen. Die obigen Initiativen stehen somit stellvertretend für alle anderen Projekte und Bemühungen, die es in Deutschland gab – und zum Glück auch immer noch gibt.

Emotionale Hilfe in Japan

Es ist sicher nicht übertrieben zu sagen, dass die Bevölkerung in Japan nach den Tohoku-Katastrophen unter Schock stand. Es galt also den Menschen nicht nur durch Hilfsmaßnahmen zu unterstützen – Trost, Ermutigung und die Bereitschaft durchzuhalten, waren fast ebenso wichtig. Diese Bedürfnisse wurden in Japan erkannt.

Charity-Album der Gruppe AKB48 (Foto: kalleboo, cc-by)
„Kaze wa futeiru“: Charity-Album der Gruppe AKB48 (Foto: kalleboo, cc-by)

Eine der ersten Maßnahmen dieser Art waren Musikprojekte, die sowohl von offizieller Seite, als auch von den Bürgern initiiert wurden.

Der Sender Fuji TV und der Radiosender Nippon Hoso strahlten am 27. März 2011 die dreistündige Sendung  „FNS music special program ‚Ue wo Muite Arukou‘ – Uta de Hitotsu ni Narou Nippon“ aus.

Der Brauereikonzern Suntory begann, nachdem wochenlang die Katastrophenmeldungen das Fernsehprogramm bestimmt hatten, mit einer TV-Kampagne.

In ihrem Rahmen sangen 71 Prominente, die mitnichten alle professionelle Sänger sind, um auf diese Weise Hoffnung zu vermitteln.

Die Privatinitiative „Sing out from Japan“ veröffentlichte im Mai 2011 ein Online-Video, an dem sich Hobbymusiker aus den Katastrophenregionen beteiligten. In allen drei Fällen war das Lied „Ue wo muite arukoo“ (Ich blicke nach oben während ich gehe) von besonderer Bedeutung und wurde als Zeichen für Hoffnung genutzt.

Zu den Menschen, die ihre Gefühle musikalisch zum Ausdruck brachten, oder motivieren wollten, gehören die Musiker Ryo Tanaka mit seinem Song „Minna Ganbare“ und Tsuyoshi Nagabuchi mit „Hitotsu„. Auch erschienen Benefiz-Alben, deren Stücke zum Teil extra komponiert worden waren. Ein Beispiel ist die Gruppe i-nos mit dem Song „yuki ni natte mo sakura ni natte mo„.

Zudem widmeten viele YouTube-Nutzer die von ihnen hochgeladenen Videos, wie etwa die Heimatballade „Furusato“ den Opfern der Katastrophe.  Dennoch sind die Katastrophenopfer auch jetzt noch traumatisiert und haben psychische Probleme, die sich etwa im Krankheitsbildern wie der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS/PTSD) zeigen.

Aufräumen nach der Katastrophe

Mit dem Ende des Tohoku-Großbebens und dem entgültigen Verebben des Tsunami, fand die Katastrophe kein schlagartiges Ende. Nun galt es, Trümmer zu Räumen, Infrastruktur wiederherzustellen und den Menschen auf verschiedene Weise zu ermöglichen, wieder ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Folgen des Tohoku-Tsunami 2011: Zerstörungen in der Küstenregion (Foto: Coypright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)
Folgen des Tohoku-Tsunami 2011: Zerstörungen in der Küstenregion (Foto: Coypright by Andreas Teichert, DTRG e.V.)

Für eine Region wie das Sanriku-Küstengebiet, stellen die riesigen Massen an Trümmern und Abfall ein besonders großes Problem dar.

Da ganze Gebäude und die Wracks riesiger Schiffe durch den Tsunami entweder ins Meer gerissen, oder weit ins Land geschleudert wurden, behindern sie den Fischfang – einst eine der wichtigsten Einnahmequellen.

Wenn die Medien nun davon sprechen können, das große Teile der Trümmer in den drei am härtesten getroffenen Präfekturen praktisch vollständig entsorgt sind, dann ist dies auch der Verdienst der freiwilligen Helfer.

So haben sich etwa die Sanriku Volunteer Divers, eine Tauchergruppe von Hiroshi Sato, der Aufgabe verschrieben, an der Sanriku-Küste Trümmer zu bergen. Durch diese Arbeit, die aufgrund von Hindernissen unter Wasser alles andere als ungefährlich ist, helfen die freiwilligen Taucher sowohl der Umwelt, als auch dem erstarken örtlicher Betriebe.

Helfer für vier Pfoten

Katastrophen wie das Tohoku-Erdbeben fordern nicht nur Menschenleben – sondern auch die Existenz anderer Lebewesen ist gefährdet. Bei der Flucht vor den Katastrophen wurde nicht nur Besitz zurückgelassen – auch Nutzvieh und zahlreiche Haustiere blieben zurück.

Japanische Katze (Foto: kontenten-san, cc-by-nd)
Katze in Japan (Foto: kontenten-san, cc-by-nd)

Nicht alle Tiere haben das Glück in jenen Gebieten zu leben, die von den früheren Besitzern besucht werden können, sondern verwildern und paaren sich mit wildlebenden Tieren.

Dieser Anstieg der Tierpopulation in Evakuierungsgebieten, führte bereits zu Plänen gezielter Tötungen.

Dafür, dass die geliebten Haustiere dieses Schicksal nicht teilen müssen, setzen sich ehrenamtliche Helfer ein.

Organisationen wie die  Animal Rescue Kansai (ARK) oder das Japan Cat Network, die in den 1990ern gegründet wurden und bereits Erfahrungen beim Hanshin-Großbeben 1995 machten, verfolgen einen anderen Ansatz.

Ebenso wie etwa der Animal Rescue System Fund (ARSF) setzen ähnliche Organisationen auf TNR, um die Tötung unnötig zu machen. TNR ist die Abkürzung von „trap-neutre-return“ und beschreibt das Konzept, Tiere einzufangen, sie zu kastrieren und wieder freizulassen.

Die Zerstörung von Ackerflächen und Schäden in Gebäude durch Wildtiere lässt sich hierdurch jedoch nicht verhindern.

Abschluss

Dieser kurze und aufgrund der unzähligen Projekte zwangsläufig unvollständige Einblick in die Hilfskultur nach den Tohoku-Katastrophen zeigt, das eine Krise auch immer eine Chance sein kann, sich durch gegenseitige Unterstützung näher zu kommen – ob als Nation, Organisation oder als Mensch.

Abschließend jedoch ein notwendiger Hinweis:  Spreadnews.de steht in keinem geschäftlichen oder finanziellen Verhältnis zu den genannten Organisationen. Die Beschreibungen dienen ausschließlich der Information. Die Ausführungen stellen keine Aussage über Seriosität der vorgestellten Gruppen dar. Spendenmöglichkeiten finden Sie ausschließlich auf den Webseiten der Gruppen.

1 KOMMENTAR

  1. 今日Guten Tag.

    Vielen Dank fuer diesen Artikel.
    Ich finde gut, dass sie shreiben.
    Die Helfer sind wichtig
    Ich mag AKB48 Aktion auch.

    Gruss aus Japan

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