Tokyo geht gegen erotische Manga vor

Tokyo geht gegen erotische Manga vor

1132
0
TEILEN
Kind mit Manga
Kind mit Manga

Über Manga, die japanischen Comic-Zeitschriften bestehen viele Irrtümer und Missverständnisse, so existiert im Japanischen etwa kein Plural-„s“ weshalb bereits die oft gehörte Bezeichnung „Mangas“ falsch ist.

Ein weit verbreitetes Klischee ist auch die Vorstellung, bei Manga handele es sich ausnahmslos um billige gezeichnete Schmuddelblättchen, doch in der Tat gehören „Ero-Manga“ (Außerhalb Japans meist „Hentai“ genannt) zu den auflagenstarken Vertretern des Genres.

Nun scheint die Stadtverwaltung von Japans Hauptstadt Tokyo zu der Überzeugung gelangt sein, Tentakelmonster-Vergewaltigungen und Inzest sollten nicht leichtfertig in Kinderhände gelangen können und hat mit einem Parlamentsbeschluss nun eine Regelung auf den Weg gebracht,  die eine Weitergabe von Zeitschriften mit derartigen Inhalten an Kinder unter 18 Jahre verbietet.

Dieses Vorgehen widerspricht jedoch der üblichen japanischen Ansicht „wer sich gestört fühlt schaut weg“ und so spricht an sich nichts dagegen, dass weiterhin Geschäftsleute in Tokyo ungeniert öffentlich derartige Printprodukte lesen.

Mittlerweile ist das Angebot japanischer Comics riesig und so gibt es für praktisch jede mögliche Zielgruppe entsprechende Lektüre in Form von Manga, etwa für Angestellte, Hausfrauen, Homosexuelle, Mädchen und Jungen. Auch finden Manga im Schulunterricht Verwendung.

Manga sind im Übrigen keine neue Erscheinung, sondern haben Tradition. Bereits der bekannte Holzschnittkünstler Katsushika Hokusai (1760 – 1849) nannte besonders humoristische Skizzenwerke „Manga“, auch wenn kein direkter Bezug zu heutigen Manga besteht und veröffentlichte mit dem „Traum der Fischersfrau“ selbst sexuell explizite Werke.

Dementsprechend ist der Protest von Verlegern gegen die Regelung groß, so gab es Boykottaufrufe gegen die in Tokyo stattfindende Internationale Anime-Messe 2011.

Allerdings ist der kollektive gesellschaftliche Druck in Japan sehr stark ausgeprägt, so dass vermutlich auch eine indirekte, rechtlich nicht bindende  Empfehlung einer Behörde als offizielle Anordnung verstanden und umgesetzt werden wird.