Weihnachten in Japan: Von Pärchen und Protesten

Weihnachten in Japan: Von Pärchen und Protesten

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Artikelbild - Flaschen in Tokyo am 22. Dezember 2015 (Foto: Copyright by KJ)
Tokyo; Weihnachten in Japan ist eben anders... (Foto: Copyright by KJ)

Das fernöstliche Japan bringt man sicher nicht ohne weiteres in Verbindung mit dem christlichen Weihnachtsfest – doch angesichts der Tatsache, dass in der deutschen Bundeshauptstadt Berlin bereits Kirschblüten gesichtet wurden, sollte man es mit solchen Feinheiten nicht zu genau nehmen.

Weihnachtsplakate in Tokyo, 22. Dezember 2015 (Foto: Coypright by KJ
Weihnachtsplakate in Tokyo, 22. Dezember 2015 (Foto: Coypright by KJ

Das Weihnachtsfest am 24. Dezember ist in Japan zwar kein nationaler Feiertag, doch da es zwischen dem Geburtstag des Tenno, am 23. Dezember und dem Neujahrsfest liegt, ist die Betriebsamkeit dort kaum geringer, als im deutschen Vorweihnachtsstress.

Dekorationen, Lichterketten und Weihnachtslieder gehören in Japans Ballungszentren in diesen Tagen genau so ins Stadtbild, wie in westlichen Metropolen der Welt. Allerdings ist die Bedeutung, die dem Fest dort zukommt, eine gänzlich andere.

Statt des besinnlichen Familienfestes, ist die Weihnachtszeit eine Art ungezwungene Alternative zum eher formellen Valentinstag (und seinem, von der japanischen  Schokoladenindustrie geschaffenen Gegenpart, dem „White Day“).

Hähnchenflügel mit dem Liebsten

Harmonisches Miteinander in Tokyo; Schneemann, Rentier und Maneki Neko (Foto: Copyright by KJ)
Harmonisches Miteinander in Tokyo; Schneemann, Rentier und Maneki Neko (Foto: Copyright by KJ)

Tatsächlich ist Weihnachten als „Fest der Paare“ in Japan bereits ein festes Datum in den Terminplänen von Frischverliebten, Verlobten – und den Franchise-Nehmern der Fastfood-Kette „Kentucky Fried Chicken“.

Schließlich stellen die Chicken Nuggets das miniaturisierte Äquivalent zum westlichen Weihnachtsbraten dar. Auch die Bäckereien stellen sich mit Weihnachtskuchen (kurisumasu keki) auf die saisonalen Bedürfnisse der Kunden ein.

Doch was ist mit jenen, die nicht das Glück haben, einen geliebten Menschen zu Weihnachten an ihrer Seite zu haben? Schließlich beschworen in diesem Jahr sogar ausländische Medien die angebliche Sexmuffeligkeit der Japaner.

Anti-Weihnachts-Proteste

Tokyo: Figur, 22. Dezember 2015 (Foto: Copyright by KJ)
Tokyo: Singles machen zu Weihnachten keine gute Figur (Foto: Copyright by KJ)

Die ganze romantische Heimeligkeit der Paare könnte man ja auch als Diskriminierung des weit verbreiteten Single-Daseins betrachten – und so demonstrierten tatsächlich einige Menschen in Tokyo gegen das  kommerzialisierte Pärchenfest

Die Demonstranten setzen sich dabei sowohl aus selbstironischen Singles, als auch überzeugten Kapitalismuskritikern zusammen, so dass derartige  Proteste, je nach Gruppierung, mit unterschiedlicher Ernsthaftigkeit betrachtet werden können.

Der Übergang

Viel Zeit für Gefühlsduselei gibt es zu Weihnachten ohnehin nicht, muss man doch trotz erster Abnutzungserscheinungen durch die alkoholreichen „Jahresendfeiern“ (bonenkai) der Unternehmen, irgendwie noch die Vorbereitungen zum großen Neujahrsfest schaffen.

Denn was dem einen sein „Weihnachten“, ist dem anderen sein „Oshogatsu“ – ein Familienfest mit Geschenktradition, guten Speisen – und der Hoffnung, im Anschluss ungeliebte Geschenke, dank der dezent beigefügten Rechnungen und Gutscheine  unauffällig umtauschen zu können.

Unsere Mitarbeiter in Tokyo wünschen den Lesern ein Fröhliches Weihnachtsfest.

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